Gelebte Solidarität in Apotheken

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ADHOC: Wie war es vor der Corona-Zeit?
HARTMANN: Vor Corona spielte die private Situation jedes einzelnen im Team nicht so eine große Rolle. Natürlich war mal ein Kind krank und ein Mitarbeiter musste plötzlich los, um es von der Schule oder der Kita abzuholen. Auch war mal ein Mitarbeiter krank und ein andere musste einspringen oder das Team musste so klarkommen. Corona hat den Blickwinkel im Apothekenalltag ganz klar verschoben. Wir arbeiten jetzt in der Krise auch viel enger mit Arztpraxen und Sozialstationen zusammen, als vorher. Einfach um Kontakte zu vermeiden und eventuell Infizierte nicht in der Weltgeschichte herum schicken zu müssen. Kapazitäten werden hier wie selbstverständlich gebündelt, was vorher fast undenkbar gewesen wäre.
LINNARTZ: Tatsächlich war es bei uns vor der Corona-Zeit ähnlich und es hat sich nicht so viel verändert in Bezug auf die Solidarität. Man merkt jedoch schon, dass es vorher weniger extrem war, weil die Kunden durch das Pandemiegeschehen nicht so gereizt waren.

ADHOC: Was wünschen sich die Apotheken-Teams für die Zukunft im Bereich des Miteinanders?
HARTMANN: Wir wünschen uns, dass die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus anderen Sparten des Gesundheitswesens auch nach der Krise enger bleibt. An Stellen wo wir Apotheken vorher kaum gesehen wurden, sind wir in dieser schwierigen Zeit für unsere Kollegen in Arztpraxen oder Pflegeheimen zu verlässlichen Partnern geworden. Wir wünschen uns, dass Teamgeist hier die Grundfläche unserer Apotheke überschreitet. Außerdem würden wir uns auch sehr ein Miteinander mit den Krankenkassen wünschen, dass sich an der Notwendigkeit der Patienten und nicht nur an der Einsparpolitik orientiert. Die Krankenkassen machen Werbung für Versandapotheken und unterstützen uns Individualapotheken herzlich wenig. Ohne unsere Apothekenteams und deren Einsatz, wäre diese Krise bisher in Deutschland nicht so verlaufen. Wir haben hier nicht nur Materialien beschafft und hergestellt, sondern auch enorm viel Beratungs- und Aufklärungsarbeit geleistet.
LINNARTZ: Wir wünschen uns, dass es vor allem im Team so bleibt wie zuvor. Wir sind alle sehr zufrieden und haben ein tolles Miteinander. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und sind meist auch einer Meinung. Das soll auch in Zukunft so bleiben!

ADHOC: Was würden Sie sich von der Bevölkerung wünschen, mit Blick auf das Verhalten in der Apotheke?
HARTMANN: Im Großen und Ganzen können wir uns da eigentlich nicht beschweren. Ein wenig mehr Geduld wäre ganz nett, denn durch Rabattverträge, importrelevanten Markt und Securpharm dauern die Vorgänge an der Kasse doch erheblich länger, als dem Kunden das oft lieb ist. Und dann benötigt unsere Hauptaufgabe ja auch noch Zeit: Die Beratung und der Neben- und Wechselwirkungscheck.
LINNARTZ: Wir würden uns generell von der Bevölkerung wünschen, dass man respektvoller und freundlicher miteinander umgeht. Selbst wenn jemand seine Maske mal nicht korrekt trägt, kann man ihn höflich darauf hinweisen. Es muss nicht immer direkt in Schuldzuweisungen und Nörgelei enden. Leider herrscht oft ein aggressiver Unterton, dabei kann man doch auch höflich fragen ob jemand Abstand halten kann. Der Ton macht schließlich die Musik!

 

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