Herdenimmunität gegen SARS-CoV-2 schaffen

Eindämmung erst nach Durchseuchung? APOTHEKE ADHOC, 10.03.2020 12:00 Uhr

Kontrollierte Durchseuchung

Auch Professor Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité, hält diese Methode für möglich, wie der „Focus“ erläutert. Das Virus werde sich erst dann nicht weiter verbreiten, wenn zwei von drei Menschen zumindest vorübergehend immun seien, weil sie die Infektion schon hinter sich hätten. Dazu zieht er ein Rechenbeispiel heran: „Bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen wären zwei Drittel fast 56 Millionen Menschen, die sich infizieren müssten, um die Ausbreitung zu stoppen. Bei einer Mortalität von 0,5 Prozent wäre in dem Fall mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen", erklärt Drosten. Solch eine Berechnung ergebe allerdings wenig Sinn, weil die Zeitkomponente fehle.

Drosten erklärt im Hinblick auf die Durchseuchung, dass eine wichtige Kennziffer sei, wie schnell sich die Krankheit ausbreite. Diesbezüglich sei die Frage, wie viele Menschen sich infizieren, die mit einem Kranken in Kontakt kommen. „Die aktuellen Zahlen liegen hier bei 5 bis 10 Prozent", erklärt er. Man gehe aktuell davon aus, dass ein Erkrankter im Schnitt drei andere Menschen infiziere. Diese Quote müsse auf unter 1 gedrückt werden, um ein Ausbreiten der Krankheit zu verhindern. Das passiere, wenn mindestens zwei von drei Menschen immun gegen eine Ansteckung seien – also bereits erkrankt waren.

Dem pflichtet auch Kassenarztpräsident Dr. Andreas Gassen bei: Er geht davon aus, dass sich ein Großteil der Bevölkerung anstecken wird, bevor die Ausbreitung zu einem wirklichen Halt kommt. „Das mag für den Laien schockierend wirken, ist aber nüchtern betrachtet nichts Bedrohliches.“ Auch andere Viren wie Herpes haben zu einer solchen Durchseuchung geführt, dadurch komme es letztlich zu einer Art Herdenimmunität. Da das neuartige Coronavirus nicht einfach verschwinden werde, sei die Frage lediglich, wie lange diese Durchseuchung dauere. „Das kann vier oder fünf Jahre dauern. Je schneller es geht, je größer ist die Herausforderung für das Gesundheitswesen.“ Auch bei einem weiteren raschen Anstieg sieht Gassen jedoch nicht, dass die Versorgung an die Grenzen gestoßen werde. Derzeit sei Corona „eher eine mediale als eine medizinisch relevante Infektion".

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