Corona-Schnelltests: Grauzonen statt klarer Regeln

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Apotheker Thomas Riedrich wiederum hat den Fehler vermieden, vor dem Ried warnt – dafür aber einen anderen gemacht. Riedrichs Optymed-Apotheken hatten nämlich bereits eine „Corona-Testwoche“ für die Zeit vom 20. bis 24. April angekündigt. Nach vorheriger Terminabsprache sollten sich Patienten in der Apotheke testen lassen können. „Ab sofort steht ein zuverlässiger Schnelltest zur Verfügung, der Antikörper auf das SARS-CoV-2-Virus nachweisen kann. Hierzu wird ein Tropfen Blut aus der Fingerspitze entnommen, das Ergebnis erhält man bereits nach 10 Minuten“, so Riedrich in einer Mitteilung. „Der Test kostet 19,80€, ein ärztliches Rezept wird dafür nicht benötigt. Terminreservierung ist in allen Filialen der Optymed Apotheken möglich.“

Doch dann musste er zurückrudern, weil der Hersteller keine Zertifikate für die Tests vorlegen konnte. „Ich war voreilig“, räumte Riedrich gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatt (OVB) ein. Eigentlich wollte er in der Aktionswoche 500 Antikörper-Tests verkaufen. Es wäre ein gutes Geschäft gewesen, aber es kam nicht zustande. Denn die Tests hielten nicht, was die Firma ihm versprach: „Mir war eine Zertifizierung des Tests versprochen worden“, so Riedrich. „Es hat sich dann aber herausgestellt, dass nur die Firma zertifiziert war, nicht aber der Test selbst.“ Dass die Tests nicht seinen Ansprüchen genügen, habe er erst auf Nachfrage erfahren: „Die haben gekniffen, als ich das Zertifikat verlangt habe.“

Zwar war das die richtige Entscheidung – schlecht steht Riedrich nun aber trotzdem da. „Seit dem Morgen haben sicher schon hundert Menschen angerufen“, berichtete er am Dienstag dem OVB – doch der Apotheker musste die Patienten enttäuschen. Er könne die Entrüstung verstehen, aber eben nichts daran ändern. „Es hilft ja auch nichts, wenn ich die Leute zahlen lasse, dann aber bei der Beratung sage, Sie hatten vor 14 Tagen Covid-19, es kann aber auch eine Grippe oder Erkältung gewesen sein“, so Riedrich. Immerhin hat er keinen finanziellen Schaden davongetragen: Geld hatte er für die Bestellung noch keins gezahlt. Nach eigenen Angaben hatte Riedrich auch das Gesundheitsamt über die neuen Tests informiert – aber dessen Antwort nicht abgewartet. Denn vielerorts herrscht noch Ungewissheit bezüglich der rechtlichen Zulässigkeit solcher Tests.

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