Lange Menschenschlangen

Corona-Massentest in Südtirol gestartet dpa, 20.11.2020 16:18 Uhr

In Südtirol soll die Corona-Welle schneller mit einem dreitägigen Massentest durchbrochen werden. Auch die Slowakei will erneut auf Massentests setzen. Foto: natatravel/Shutterstock.com
Berlin - 

Südtirol will mit einem dreitägigen Massentest die Corona-Welle schneller brechen. Zum Start strömen die Menschen in die Teststationen. Eine weitere Region Italiens probiert eine andere Form der Virus-Untersuchung aus – viel kleiner und noch einfacher. Auch in der Slowakei sind weitere Corona-Massentests geplant.

In Italien sind im Anti-Corona-Kampf ein Massentest in Südtirol und ein Versuch mit einem Schnelltest für zu Hause in Venetien angelaufen. Zum Auftakt der kostenlosen Massenuntersuchung in Südtirol bildeten sich lange Schlangen vor vielen Teststationen, wie Medien am Freitag berichteten. Die kleine Alpen-Provinz mit gut einer halben Million Menschen möchte bis zum Sonntag bei rund zwei Drittel der Bürger einen Abstrich machen. Der Antigen-Schnelltest ist freiwillig. Schon seit Wochenbeginn läuft im norditalienischen Venetien ein Versuch mit Corona-Testsets für den Hausgebrauch.

Die Landesregierung in Bozen will mit der dreitägigen Aktion unter dem Motto «Südtirol testet» Virusträger aufspüren, die nichts von ihrer Infektion ahnen. Sie gelten als gefährliche Ansteckungsquelle. So soll die zweite Corona-Welle schneller gebrochen werden. Italien war in der ersten Welle im Frühjahr heftig getroffen worden. Nach einer Erholung im Sommer sind die Ansteckungszahlen jetzt – auch im Vergleich zu Deutschland ­– wieder hoch.

Landeshauptmann Arno Kompatscher hatte die Bürger mehrfach zur Teilnahme aufgerufen. Die Provinz Bozen-Südtirol hofft, dass bis zum Sonntag etwa 350.000 Menschen teilnehmen. Wer ein positives Ergebnis bekommt, aber beschwerdefrei ist, soll sich zehn Tage zu Hause isolieren. Mitmachen können Männer, Frauen sowie Kinder ab fünf Jahren. Es gibt knapp 200 Teststandorte. Das jeweilige Resultat soll nach spätestens einer halben Stunde vorliegen. Die Bürger können es sich per E-Mail oder Kurzmitteilung aufs Handy schicken lassen. Auf einer Internetseite veröffentlichten die Behörden erste Ergebnisse: Danach gab es bis Freitag 10 Uhr mehr als 24.000 Teilnehmer. Fast 600 Menschen wurden positiv getestet.

Das Virus-Screening war außerdem auch in Betrieben, Arztpraxen und Apotheken möglich. An diesen drei Orten hatte das Testprogramm schon kurz vorher begonnen. Und es läuft drei Tage länger. Die Autonome Provinz gehört in Italien wegen der hohen Corona-Zahlen zu den Roten Zonen mit besonders strengen Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen sollen ihre Häuser nur verlassen, wenn sie etwa zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen müssen. Am Donnerstag hatten die Behörden dort rund 700 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert.

Der Erfolg eines solchen Massentests hängt nach Einschätzung des Experten Stephan Ortner stark von der Teilnahmequote ab. Wie der Direktor des Eurac Research Zentrums in Bozen erläuterte, kann ein gut organisierter Test mit hoher Beteiligung so gut „wie ein totaler Lockdown von vielen Wochen“ wirken. Ein starker Erfolg sei möglich bei einer Quote ab 70 Prozent, wie Studien seines Instituts zeigten. In einem großen Staat, etwa in ganz Italien oder Deutschland, lasse sich so ein freiwilliger Test aber wohl nicht in ähnlicher Weise durchführen, meinte er. In einzelnen Bundesländern jedoch schon.

In der Region Venetien startete Anfang der Woche der Probelauf mit den Do-It-Yourself-Tests. Die Test-Tüten enthalten ein Stäbchen, das in die Nase gesteckt wird, und ein Kontroll-Röhrchen für die Probe. Regionalpräsident Luca Zaia hatte die Funktionsweise in einem Video vorgeführt. Die Region will zunächst rund 5000 der Antigen-Test-Kits ausgeben. Die Studie soll einen Monat laufen. Parallel werden in dieser Phase an denselben Menschen klassische Abstriche vorgenommen, die im Labor untersucht werden. Im Anschluss soll der Eigentest dem nationalen Gesundheitsinstitut ISS zur Zulassung vorgelegt werden. Das Produkt könnte dann für wenige Euro etwa in Apotheken verkauft werden.

Andere Stimmen wiesen darauf hin, dass für den langfristigen Erfolg von Massentests auch der Einsatz einer Corona-App und große Datenverarbeitungskapazitäten wichtig seien. Ende Oktober hatte bereits die Slowakei einen größeren Corona-Massentest gestartet. Daran beteiligten sich mehrere Millionen Menschen.

Slowakei plant weitere Corona-Massentests

Die Slowakei bereitet neuerliche landesweite Corona-Massentests vor. Schon am Donnerstagabend hatte Ministerpräsident Igor Matovic den 2. Dezember als nächsten Termin für eine Testung fast der gesamten Bevölkerung angekündigt. Am Freitag liefen indes noch letzte Vorbereitungen für lokal begrenzte Tests am kommenden Wochenende. Schon am Allerheiligenwochenende und am darauffolgenden Wochenende (7. und 8. November) wurde unter der Regie des Verteidigungsministeriums ein Großteil der Einwohner, die älter als zehn Jahre sind, einem Antigen-Schnelltest unterzogen. In jenen knapp 500 überwiegend sehr kleinen Gemeinden mit damals besonders hoher Infektionsrate wird an diesem Samstag und Sonntag ein drittes Mal durchgetestet.

Wegen heftiger Kritik am bisherigen Vorgehen versprach Matovic jedoch, bei diesen lokalen Tests werde es keine Sanktionen für die Nicht-Teilnahme geben. Daher war zunächst offen, wie viele der rund 400.000 nun betroffenen Einwohner tatsächlich zu den lokalen Tests gehen werden. Nach den ersten beiden Testrunden wurden Nicht-Getestete fast wie Personen mit positivem Testergebnis behandelt. Ohne negativen Test durfte man nicht einmal zur Arbeit gehen. Für die ab 2. Dezember geplanten nächsten landesweiten Testrunden waren am Freitag viele Details offen. So stand noch nicht fest, ob es zwei oder eventuell drei Durchgänge an aufeinanderfolgenden Wochenenden geben werde. Ungeklärt war auch die Frage der Freiwilligkeit. Matovic, der die Massentests als Chefsache betrachtet, schlug zunächst freiwillige Testungen vor. Sollte daran aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung teilnehmen, werde man wieder auf Zwang umschalten, drohte der Gründer der populistisch-konservativen Bewegung OLaNO gegenüber Journalisten.