„Wir werden uns sicher fast alle infizieren“

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Die Vorkehrungen in der Ahrtor-Apotheke gelten jedoch nicht nur für die Kunden, auch der Umgang mit den Lieferanten hat sich geändert: „Auch mit den Lieferanten unserer Arzneimittel wünschen wir keinen direkten Kontakt mehr. Die Lieferanten werden gebeten, an unserem rückwertigen Eingang zu klingeln, die Ware vor der Tür stehenzulassen und zu gehen.“ Darüber hinaus beliefert die Apotheke zwei Altenheime. Diese Einrichtungen dürfen in vielen Bundesländern ab sofort keinen Besuch mehr empfangen. Auch Wnendt hat sich entschieden, die Gebäude nicht mehr zu betreten, das Infektionsrisiko sei aktuell zu hoch. „Wir beliefern zwei Altenheime, mit denen wir erstmal absprechen mussten, dass wir nicht mehr reinkommen. Nun heißt es kontaktlose Übergabe im Freien.“

Wnendt hat sich auch dafür entschieden, dass Team in zwei Gruppen einzuteilen. Sie hat zehn Angestellte, vier davon sind Approbierte, so kann sie sicherstellen, dass immer ein Apotheker vor Ort ist. „Wir arbeiten als Team in zwei Schichten, damit wir womöglich nicht alle gleichzeitig in Quarantäne müssen. Als Chefin arbeite ich das erhöhte Arbeitspensum an meinen freien Tagen – um das andere Team nicht zu treffen – in den allerfrühesten Morgenstunden zwischen 4 Uhr und 7.30 Uhr nach.“ Diese Arbeit in unabhängigen Teams ist Teil des Pandemieplans vieler Apotheken, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass sich das gesamte Team gleichzeitig infiziert, gering zu halten. „Wir werden uns sicher fast alle infizieren, wir können es nur verlangsamen.“ Einen Aspekt führt die Apothekerin noch an: „Der Infektionen an und über die Augen wurde bislang wenig beachtet. Meine Mitarbeiter tragen alle Brillen – wenn nötig mit Fensterglas.“

Die Apothekerin macht sich natürlich auch Gedanken über die kommenden Wochen oder den Ernstfall: „Der Gedanke, aufgrund unserer Schichtarbeit Kurzarbeit zu beantragen, kommt näher. Was, wenn ich die Apotheke für 14 Tage oder länger schließen muss?“ Wnendt versucht die Arzneimittelversorgung ihrer Kunden so lange wie möglich sicherzustellen, dazu zählt auch, davon auszugehen, dass sich Mitarbeiter infizieren können: „Irgendwann ändert sich auch unsere momentane Situation, dann bedienen wir als Infizierte mit Masken.“

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