Sechs Überfälle in vier Wochen

Warnung an Apotheken: Feierabendräuber geht um! APOTHEKE ADHOC, 09.11.2018 09:45 Uhr

Berlin - Apotheker im Nordosten Berlins leben derzeit gefährlich: Ein Räuber treibt dort sein Unwesen und überfällt stets nach demselben Muster Apotheken kurz vor Feierabend. Mindestens sechs mal hat er in den letzten vier Wochen zugeschlagen, die Abstände zwischen den Überfällen werden kleiner. Die Polizei ist auf der Suche nach ihm – hätte aber einer betroffenen Apothekerin zufolge bereits mindestens einen Überfall verhindern können. Wie man sich in einer solchen Situation richtig verhält und sich selbst schützen kann, findet ihr in unserer Übersicht im LABOR von APOTHEKE ADHOC. 

Er kommt stets zur selben Zeit, zwischen sechs und sieben Uhr abends: Ein großer, stämmiger Mann bedroht Apothekenmitarbeiter mit einem Küchenmesser und verlangt das Geld aus der Kasse. Sobald er hat, was er will, verlässt er die Offizin – bisher unerkannt. Und er scheint sich in Richtung Innenstadt vorzuarbeiten: Sein erster Überfall war in Ahrensfelde, nordöstlich von Berlin. Von da an ging es in Richtung Südwesten: Neu-Hohenschönhausen, Alt-Hohenschönhausen und zuletzt, nämlich Mittwochabend, Weißensee.

Nur einen Tag vorher erwischte es die Adler-Apotheke von Arite Lemm auf der Konrad-Wolf-Straße in Alt-Hohenschönhausen. Gegen 18.20 Uhr betrat der Mann die Offizin. „Es scheint, als ob er die Apotheken vorher ausspäht und einen Moment abwartet, in dem keine Kunden da sind“, schätzt Lemm. „Er war ganz ruhig, hat mit dem Messer nicht rumgefuchtelt, sondern es nah am Körper gehabt und in ruhigem Ton das Geld aus allen Kassen verlangt.“ Drei Mitarbeiterinnen und sie selbst waren in dem Moment in der Apotheke.

„Meine Kollegin hat erst versucht, Zeit zu gewinnen. ‚Der Herr ist da‘, hat sie zu mir nach hinten gerufen und den Notfallknopf gedrückt“, erinnert sich Lemm. „Ich wusste gleich, wer mit ‚der Herr‘ gemeint ist. Ich bin dann nach vorn gekommen und habe ihm das Geld aus der Kasse gegeben.“ Der Überfall war für Lemm keine Überraschung. Denn seit Tagen sind die Verbrechen Gesprächsthema unter Apothekern im Berliner Nordosten. Sie informieren sich gegenseitig – weil die Polizei es nicht tut.

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