Verkauf: Familie statt Familienapotheke

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Vor allem aber sei es eine Entscheidung zwischen Arbeit und Privatleben gewesen: „Ich will schließlich mein Kind aufwachsen sehen.“ Dass die Entscheidung, die Kräfte zu bündeln statt zu zerteilen, leicht war, heißt das noch lange nicht. Denn Brugger ist seiner Offizin eng verbunden: Die 1957 gegründete Apotheke ist seit 1974 in Familienhand. Erst betrieb sie seine Mutter als Pächterin, dann ab 1982 als Inhaberin. Im Jahr 2000 übergab sie an ihren Sohn, blieb dem Betrieb aber bis heute – mit 83 Jahren – treu.

Brugger selbst ist seit seiner Kindheit im Viertel um die Apotheke unterwegs, den Großteil seiner Stammkunden kennt er seit Jahren, teils Jahrzehnten. „Von daher ist das lachende Auge zwar sehr groß – das weinende aber auch.“ Wie es der glückliche Zufall will, sind die Verhältnisse bei Brugges Frau Dr. Alexandra Raasch – die er aus dem Pharmaziestudium kennt – ähnlich: 1964 gründete ihr Großvater die Münster-Apotheke in Bonn, seit 2006 leitet sie sie in dritter Generation. Es bleibt also in der Familie. Und darauf hat er auch bei seiner bisherigen Apotheke Wert gelegt: Ab dem 1. Februar übernimmt Apothekerin Nalan Uslu dort das Heft – gemeinsam mit ihrer Tochter. „Der Gedanke, dass die Apotheke in Familienhand bleibt, ist für uns auch wichtig.“

Als die Entscheidung verkündet wurde, war die Belegschaft entsprechend überrascht. „Aber wir haben ein tolles Team, das konnte meine Entscheidung gut nachvollziehen und unterstützt mich aktuell mit allen Kräften.“ Bedrückter waren da schon einige Kunden und Bekannte in der Gegend. „Ein Arzt kam zu mir und umarmte mich. Dem kamen die Tränen, als er sagte, er verliere mit mir einen Freund.“

Allzu viel Zeit für emotionale Abschiede bleibt aber dennoch nicht, denn die Nachfolgerin muss bis zur Übernahme am 1. Februar noch eingeführt werden. „Präqualifizierung, Hilfsmittelverträge… all diese Sachen müssen ja neu gemacht werden“, beschreibt der Noch-Inhaber. Bis er sich ganz von der Apotheke löst, vergehen allerdings noch ein paar Wochen: Er werde die Übernahme „engmaschig begleiten“ und noch mindestens zwei Wochen vor Ort aktiv sein. Dann sei es aber endlich so weit. Nicht nur freue er sich auf die zusätzliche Zeit mit der Familie, sondern auch auf die Konzentration auf Bonn. „Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, die dortige Apotheke zu festigen, uns auf deren Projekte zu konzentrieren und gleichzeitig an Lebensqualität zu gewinnen. Das wird unser persönliches Happy End.“

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