Urteil: Kinderpornos rechtfertigen Approbationsentzug

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Auch seine Verteidigungsversuche nahm die Behörde auseinander: Die Psychotherapie habe gerade einmal zwei Monate gedauert. Für eine ernsthafte Bewältigung der gezeigten Neigungen könne das vernünftigerweise nicht als ausreichend gewertet werden. Dass er aus Verantwortungsgefühl auf eine Hauptverhandlung verzichtete, nahm ihm die Regierung auch nicht so recht ab – eher wohl, um eine öffentliche Verhandlung zu verhindern. Außerdem stimme es nicht, dass sein Delikt einen vergleichsweise geringen Unwertgehalt habe. Ein Vergehen könne grundsätzlich auch eine schwerere Schuld inne sein als einem Verbrechen.

Das wollte der Verurteilte nicht akzeptieren. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht gegen den Bescheid – und stützte seine Argumentation auch auf die Entscheidung der Kammer. Die habe nämlich in Kenntnis aller maßgeblichen Umstände des Fehlverhaltens klargestellt, dass kein berufsrechtlicher Überhang zu erkennen sei und von einem förmlichen berufsrechtlichen Verfahren abgesehen. Die Regierung verkenne bei ihrer Entscheidung, dass die Kammer sich gerade mit der Frage befasst habe, ob sein Fehlverhalten das Ansehen des Berufsstandes beeinträchtigt habe und das Vertrauen, das die Öffentlichkeit diesem Berufsstand entgegenbringe.

Dabei sei sie zum Ergebnis gekommen, dass der Schutz dieses Ansehens und Vertrauens der Berufsgruppe der Apotheker keine über die strafrechtliche Ahndung hinausgehende Sanktion erfordern würde. Wenn schon die Landesapothekerkammer als Fachbehörde, die dem Berufsstand besonders nahestehe und naturgemäß ein besonderes Interesse am Schutz von dessen Ansehen und dem ihm entgegengebrachten Vertrauen durch die Öffentlichkeit habe, zu diesem Ergebnis gelange, könne das Interesse der Regierung am Vollzug keinesfalls überwiegen.

Außerdem verwies der Anwalt des Apothekers auf dessen Lebensumstände: Er leide an einer Impulskontrollstörung und sei in einer schwierigen finanziellen Situation, die sich aus der geringen zu erwartenden Rentenzahlung und aus der Tatsache ergebe, dass er bei Verlust seines Arbeitsplatzes auch die vom Arbeitgeber überlassene Wohnung verliere.

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