Test-Apotheker grübeln über Preisfrage

, Uhr aktualisiert am 11.08.2021 14:28 Uhr
Weiter Testen? Apotheken hadern angesichts des Endes der kostenlosen Bürgertests mit der Fortführung der Dienstleistung.

Auch Uta Kappes aus Tauberbischhofsheim wird weiter Schnelltests in ihrer Apotheke im Ärztehaus anbieten. „Wir testen aktuell trotz verminderter Vergütung und werden die Tests auch weiterhin anbieten, solange man bestätigte Testzertifikate benötigt.“ Dies gelte auch für Kinder und Schwangere sowie für andere Ungeimpfte. „Der Preis ist eine spannende Frage.“ Er müsse zumindest „plus minus kostendeckend“ sein. Fest stehe, dass die Anzahl deutlich zurückgehen werde. „Manchmal testet man nur für eine Person.“ Das bedeute dennoch: Schutzkleidung an und aus. Viel günstiger als 11,50 Euro könne es nicht werden. „Aber man wird sehen, wie sich da das Preisniveau auf dem Markt einpendelt.“

Die neuen Bürgertest-Regelungen werfen in vielen Apotheken Fragen auf. Denn gratis sollen Schnelltests nur noch für jene zu haben sein, die sich nicht impfen lassen können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt wie Schwangere und Unter-18-Jährige – doch was ist mit Kindergärten, Schulen und Mitarbeiter:innen in Pflegeeinrichtungen? Apothekerin Katharina Holtschulze von der Krötensee-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg weiß deshalb noch nicht, wie es weitergehen wird. Sie wird noch bis Mitte Oktober testen und dann abwägen. Noch sei nicht klar, wer genau ein Anrecht auf einen kostenlosen Test haben werde. „Wie viele sonst auf eigene Kosten kommen, ist eh die Frage.“ Da Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die „2G“-Regel – also Zugänge nur für Geimpfte und Genesene, nicht aber für „negativ Getestete“ – einführen wolle, werde das Testen dann ohnehin hinfällig.

Ebenfalls unschlüssig ist ein Apotheker aus Nordrhein-Westfalen. „Mein erster Impuls war, das Testzentrum sofort zu schließen“, sagt er. Allerdings befinde er sich in einer „moralischen Zwickmühle“, da Test für Personen, die nicht geimpft werden könnten, wichtig seien. Sicherlich werde er das extra eingestellte Testpersonal und die Testzeiten reduzieren. „Meine Sorge dabei ist, wie ich diese Tests abrechnungstechnisch nachweisen soll. Soll ich bei Schwangeren ein Ultraschallbild einreichen?“ Wenn er weiter macht, könnte er sich einen Preis zwischen 20 und 25 Euro vorstellen – „damit es Spaß macht“. Für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollten, könnte der Preis allerdings nicht teuer genug sein, betont er.

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