Banden- und gewerbsmäßiger Betrug

Rezeptfälschung: Prozess gegen Apotheker-Bande Tobias Lau, 12.02.2018 18:15 Uhr

Außerdem gibt es unter den 125 Fällen, die H. vorgeworfen wurden, einen, den er abstreitet. Dabei sei Edin S. ohne das Wissen der weiteren Bandenmitglieder tätig geworden – und habe sich zu dilettantisch angestellt, als dass der erfahrene Apotheker H. hätte beteiligt sein können. Unter anderem habe das Rezept zwei Medikamente enthalten, deren gemeinsame Einnahme „erhebliche gesundheitliche Gefahren“ mit sich gebracht hätte, wie H. es ausdrückt. Vor allem aber habe es ein Volumen von beinahe 28.000 Euro gehabt. Das hätte ihnen kein Apotheker abgenommen. „Ich habe 30 Jahre Erfahrung in Apotheken, aber so ein Rezept habe ich noch nicht gesehen“, so der Angeklagte.

Edin S. war jedoch nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Denn bei Klaus H. und Galya S. kommt noch der Vorwurf des versuchten Raubs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hinzu. 2016 hatten sich die beiden Hauptangeklagten mit ihrem Komplizen Edin S. überworfen. Als dieser versucht habe, sie zu erpressen, habe Galya S. laut eigener Aussage keinen anderen Weg mehr gesehen, als „ihm eine Lektion zu erteilen“, wie sie vor Gericht sagte.

Dazu hatte sie für 2000 Euro zwei Tschetschenen beauftragt, S. zusammenzuschlagen, ihm die Beine zu brechen und das Telefon zu klauen, um mögliche Beweismittel in die Hände zu bekommen. Zu der Tat kam es indes nicht mehr, da sich S. bereits im Ausland aufgehalten hatte. Klaus H. entlastete Galya S. indes. Er habe davon erst im Nachhinein erfahren. Über die Schuldverteilung zwischen Klaus H., Galya S., Edin S. sowie die schwere der Schuld der weiteren drei Angeklagten wird das Gericht in den kommenden Wochen und Monaten Klarheit schaffen müssen. Außerdem steht noch eine Reihe unbekannter Mittäter zu ermitteln.

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