Opiumtinktur als Rezepturarzneimittel

Retax und Staatsanwalt: Innocur warnt Apotheken Alexander Müller, 31.07.2020 10:40 Uhr

Berlin - Der Streit um den Vertrieb von Opiumtinkturen wird weiter über die Apotheken ausgetragen. Die Firma Innocur warnt die Apotheken in einem Schreiben vor der Abgabe von Tinctura Opii normata Ph.Eur. der Firma Maros. Innocur vertreibt in Deutschland das Fertigarzeimittel Dropizol des dänischen Herstellers Pharmanovia A/S. Über dessen Rechtsstreit mit einem Apotheker berichtet Innocur. Maros verweist dagegen auf die eigene Zulassung und anderslautende Gerichtsentscheidungen.

Das Telefon von Maros-Geschäftsführer Dr. Norbert Brand stand gestern nicht still. Verunsicherte Apotheker riefen an und fragten, ob sie die Opiumtinktur weiterhin als Rezeptur abgeben dürfen. Auslöser war jenes Schreiben, das Innocur an die Apotheken verschickt hatte. Titel: „Apotheke bleibt die Abgabe von der Maros Arznei GmbH bezogenen Tinctura Opii normata Ph.Eur. Opiumtinktur verboten.“ Was in dieser etwas verkürzten Darstellung gut versteckt ist: Es geht tatsächlich nur um einen Hamburger Apotheker, der von Pharmanovia verklagt wurde.

Innocur-Geschäftsführer Dr. Giuseppe Gianni und der Medizinische Leiter Professor Dr. Thomas Bauknecht verweisen auf diesen Rechtsstreit vor dem LG Hamburg. Der angegriffene Apotheker hatte die Opiumtinktur von Maros als Rezeptarzneimittel abgegeben. Da die als Rohstoff vertriebene Tinktur in diesen Fällen nur umgefüllt und neu etikettiert wird, handelt es sich aus Sicht von Innocur nicht um ein „wahres“ Rezepturarzneimittel.

Im Eilverfahren folgte das Landgericht Hamburg offenbar dieser Auffassung. Laut dem Innocur-Schreiben akzeptierte der Apotheker die einstweilige Verfügung des Gerichts und gab eine entsprechende Abschlusserklärung ab. Der Beschluss des LG ist noch nicht veröffentlicht, Innocur zitiert in seinem Schreiben aber nach eigenen Angaben daraus. Voraussetzung für den Vertrieb einer Rezeptur sei demnach, dass das Mittel tatsächlich aufgrund einer individuellen Rezeptur hergestellt wird. Das sei nicht der Fall, wenn der gebrauchsfertige Wirkstoff nur unverändert umgefüllt werde.

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