Nur ein Vial pro Praxis – Brandbrief an die Ärzte

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Sollte in einer Praxis nicht genug Impfstoff für alle Zweitimpfungen zur Verfügung gestellt werden, solle die unverzüglich die KV informieren. Bereits Anfang Juni soll sich die Liefersituation bei Biontech wieder verbessern – offenbar gibt die KV aber nicht mehr viel auf solche Ankündigungen des BMG, denn „auch hier muss sich die Verlässlichkeit dieser Auskunft erst noch erweisen. Bitte berücksichtigen Sie dies unbedingt bei Ihren Planungen.“ Die KV Hessen setzt jedenfalls nicht darauf, dass das BMG auf die kommenden Wochen vorbereitet ist: „Lassen Sie uns daher hoffen, dass wenigstens dieses Mal das BMG endlich einmal die Lieferungen realisiert, die es immer verspricht. Denn im Juli soll ja angeblich beziehungsweise zusätzlich die gesamte Priorisierung fallen und jeder ein Impfangebot bekommen.“ Allerdings bräuchte dafür es nach KV-Berechnungen wöchentlich sechs bis acht Millionen Impfdosen bundesweit, um dies auch zeitnah umzusetzen. „Ob das BMG das weiß?“, so Dastych und Starke.

Eine verfügbare Alternative zu Comirnaty wäre demnach der AstraZeneca-Impfstoff – doch den wollen viele Menschen nicht. Die Probleme rund um Vaxzevria seien der KV nur allzu bewusst. „Wer aufmerksam unsere Rundschreiben liest, merkt, wie sehr wir an dieser Stelle ‚herumeiern‘ müssen“, schreibt sie. Auf der einen Seite stehe ein guter und hochwirksamer Impfstoff, auf der anderen Seite „ein katastrophales Image und die damit verbundenen Kollateralprobleme bei der Verimpfung in den Praxen. „Wir haben deshalb größtes Verständnis für die Zurückhaltung der einen oder anderen Kollegin beziehungsweise des einen oder anderen Kollegen, was den Einsatz dieses Impfstoffs angeht. Der zusätzliche Beratungsaufwand ist teilweise enorm und wird nicht abgebildet.“ Auch deshalb scheinen manche Ärzte auf den Einsatz nur noch eines Impfstoffs in ihrer Praxis umgestellt zu haben. „Dazu kommt, dass AstraZeneca nicht gerade der Hersteller ist, der am zuverlässigsten liefert. Das ist angesichts der Gesamtlage, für die wir die Verantwortlichen wohl nicht noch einmal benennen müssen, mehr als verständlich und nachvollziehbar.“

Trotzdem wolle die KV noch einmal das Augenmerk ihrer Mitglieder auf den Impfstoff lenken, denn bei dem gebe es keine Priorisierung mehr zu berücksichtigen und auch das Thema der Arzthaftung bei Impfschäden sei mittlerweile ausgeräumt. „Und es ist absehbar wirklich genug Vaxzevria da! Sie können mit diesem Impfstoff also nun endlich das tun, was eigentlich für die Pandemiebekämpfung notwendig ist, also alle Ihre Patienten impfen, impfen und impfen. All die, die auch nur irgendwie dafür in Frage kommen und es wollen. Und Sie können die Mengen auch bestellen.“

Allerdings sieht die KV auch hier wieder die Ärzte ungerecht behandelt, denn es sei „es an Absurdität kaum zu überbieten […], wenn sich ehrenwerte Impfzentren und damit auch in erster Linie das hessische Innenministerium bei Vaxzevria erst einen schlanken Fuß und dann vom Acker machen, sich dann aber bei uns beschweren, wir würden den Impfstoff nicht genug verimpfen“, schreiben Dastyh und Starke. „Wenn die Politik schon ihrer Verantwortung in der Pandemiebekämpfung nur unzureichend nachkommt, sollten wir versuchen, es im Interesse unserer Patienten und der Bekämpfung der Pandemie besser zu machen.“

 

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