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Pille danach: Unterhalt vom Apotheker

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Die zweite – aus Jeinsens Sicht ebenfalls zwingende – Versicherung betrifft den Strafrechtsschutz. Eine „normale“ Rechtsschutzversicherung decke nur Tatbestände außerhalb des Strafrechts, erklärt Jeinsen. Eine Strafrechtsschutzversicherung greife zwar auch dann, allerdings orientiere sich die Erstattung an den üblichen Anwaltsgebühren. Ein auf Apothekenrecht spezialisierter Strafanwalt, von denen es nur wenige in Deutschland gebe, verlange aber womöglich deutlich mehr.

Einen solche Apotheken-Strafrechtsschutz hätten nur wenige Apotheken abgeschlossen, meint Jeinsen – in Berlin seien es 20 von 860, schätzt er. Angeboten wird diese Versicherung von den auf Apotheken spezialisierten Anbietern und bei den großen anderen Versicherungen. Eine einfache Rechtsschutzversicherung für eine Apotheke mit fünf bis sechs Mitarbeitern kostet laut Jeinsen rund 600 Euro. Für einen Strafrechtsschutz müsse mit 300 bis 400 Euro extra gerechnet werden, für das Apothekenstrafrecht kämen zusätzliche Kosten hinzu.

„Vor Gericht kann im konkreten Schadenfall auch ein Mitverschulden festgestellt werden“, erklärt Jeinsen. In diesem Fall sei der Versicherer nur in Höhe des Nichtverschuldens zur Leistung verpflichtet. Wenn Mitverschulden festgestellt werde, sei der Versicherer nur in Höhe des Nichtverschuldens seines Versicherten zur Leistung verpflichtet: Wäre beispielsweise ein Schaden von 100.000 Euro zu 40 Prozent mitverschuldet, dürften die Versicherungen dem Geschädigten nur 60.000 Euro ersetzen, den Rest trüge der Apotheker selber.

Das gelte analog für die Werteversicherung, so Jeinsen. Auch dort würde bei gequotelter Regulierung für Schäden an Inhalten und Waren nur der Teil ersetzt, der nicht zu seinen Lasten gehe.

Die EU-Kommission hatte das Notfallkontrazeptivum EllaOne (Ulipristal) in der vergangenen Woche aus der Rezeptpflicht entlassen. Da das Präparat zentral zugelassen ist, gilt die Entscheidung auch für Deutschland. Ob Apotheker EllaOne derzeit ohne Rezept abgeben dürfen oder die Anpassung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) abwarten müssen, ist derzeit noch umstritten.

Die BAK ist überzeugt, dass die Änderung zunächst im deutschen Recht vollzogen werden muss. Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, die Frage zu prüfen. Der Hersteller HRA Pharma bereitet derzeit die Änderung der Packungsbeilage und der Umverpackung vor und plant, das Präparat ab Mitte Februar als apothekenpflichtiges Arzneimittel zu vermarkten.

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