„Amazon muss den Schalter nur umlegen“

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ADHOC: Sie glauben nicht an Kundenkontakt von Angesicht zu Angesicht?
SCHMIDT: Die Zeiten, in denen Kunden vom Verkäufer nett angelächelt werden wollen, sind lange vorbei. Ich will gar nicht negieren, dass die persönliche Beratung gerade bei Medikamenten wichtig ist und auch geschätzt wird. Und damit das klar ist: Es soll auch nicht Hinz und Kunz Arzneimittel verkaufen. Aber es ist für viele Menschen einfach bequem, nicht erst ins Auto steigen und irgendwohin fahren zu müssen. Dem muss man sich stellen. Denn neue digitale Formate wie Videoberatung werden diese Entwicklung erst noch beschleunigen.

ADHOC: Sehen Sie keine strukturellen Probleme des Versandhandels?
SCHMIDT: Versandhandel wird künftig kein Distanzhandel mehr sein. Die großen Internetkonzerne rücken näher. Sie haben erkannt, dass sie ihr Geschäft lokal ausrichten und schnell liefern müssen: Amazon baut einen eigenen Flughafen und Logistikzentren rund um die Metropolen. Wurden noch vor fünf Jahren 10 Prozent der US-Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten erreicht, sind es heute 50 Prozent. Und bezogen auf die kaufkräftige Bevölkerung sogar 80 Prozent.

ADHOC: Das bedeutet?
SCHMIDT: Wer eine solche Infrastruktur aufbaut, der denkt nicht in 100 Sortimenten mit 1000 Artikeln – sondern in 100 Millionen Produkten für alle Lebenslagen. Es ist beeindruckend, mit welcher Wucht sich hier von Kategorie zu Kategorie vorgearbeitet wird. Man sollte sich keine Illusionen machen: Sobald der Gesundheitsbereich freigegeben wird, muss Amazon den Schalter nur noch umlegen.



Schmidt ist Keynote-Speaker bei VISION.A, der Digitalkonferenz von APOTHEKE ADHOC und Apotheken Umschau am 22. März in Berlin. Die Veranstaltung mit dem Who's Who der Apotheken- und Pharmabranche widmet sich dem digitalen Wandel in Pharma & Apotheke. Rund 450 Gäste werden im RADIALSYSTEM V erwartet. Weitere Informationen und Tickets: vision.apotheke-adhoc.de

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