MVDA und Phoenix raufen sich zusammen

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Dass der MVDA nun doch darauf verzichtet, mit der Industrie zu verhandeln, sondern dies weiterhin Phoenix überlässt, ist als großes Zugeständnis zu verstehen. Andererseits hätte der Großhändler sich noch vor wenigen Wochen wohl kaum dazu hinreißen lassen, die Bonifizierung aus der Hand zu geben – in der Vergangenheit hat der Konzern die Rückvergütungen abzüglich 4,5 Prozent an die Kunden ausgeschüttet. Insofern hat der Kompromiss beiden Seiten großes Entgegenkommen abverlangt.

Der Bruch ist abgewendet, beide Seiten tragen allerdings Blessuren davon. Denn die strategischen Ziele – Emanzipation beim MVDA, Raum für Livplus bei Phoenix – mussten für die Einigung über Bord geworfen werden. Man probiert es noch einmal miteinander; ob das verlorengegangene Vertrauen zurückgewonnen werden kann, wird sich zeigen. Von der Devise „Change“, die der MVDA auf seiner Roadshow ausgegeben hatte, bleibt wenig übrig.

Kompliziert wird die Sache auch dadurch, dass beim MVDA wie geplant mit AEP ein zweiter Großhandelspartner an Bord kommt. Hier ist die Kooperation für die Konditionen selbst verantwortlich – und auch wenn das Sortiment nicht unbedingt bis ins Details identisch sein muss, müssen Unterschiede bei den Angeboten – gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Leistungsunterschiede – wohl in gewissem Rahmen ausgeglichen werden. Auch beim Kartellamt hatte man übrigens ein anderes Konzept vorgestellt.

Nachdem der MVDA im September seine langjährige exklusive Partnerschaft mit Phoenix beendet hatte, war ein erbitterter Schlagabtausch entbrannt. Beide Seiten schienen bereit, die Sache durchzuziehen – auch wenn die Risiken groß waren. Der Umsatz, der auf den Markt geworfen worden wäre, ist gewaltig: Rund 20 Prozent des gesamten Einkaufsvolumens deutscher Apotheken entfallen auf den MVDA, drei Viertel davon sind nach Schätzungen dem Kernsortiment zuzuordnen, das der Verbund seinen Logistikpartnern vorbehält. Während Phoenix massiv Umsätze zu verlieren drohte, hätte eine Trennung den MVDA zahlreiche Mitglieder kosten können.

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