„Mit 500 Dosen fangen die erst gar nicht an“

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Berlin - Eines der potenziellen Impfstoffhubs für die Arbeitsmedizin ist die Antonius-Apotheke in Deggendorf, die seit langem schon Großunternehmen mit Impfstoffen beliefert. Auch sie wartet allerdings noch auf Information. Inhaber Anton Fink sorgt sich vor allem, dass der Bund die Betriebskontingente nicht eindeutig deklarieren könnte. Dann könnte die Aktion zum Rohrkrepierer werden.

„Es ist noch niemand auf uns zugekommen“, sagt Inhaber Anton Fink. „Aber wir stehen Gewehr bei Fuß und viele große Unternehmen in Deutschland möchten von uns versorgt werden, weil sie schon länger unsere Kunden sind.“ Er habe jedoch bereits Vorbestellungen „in erheblicher Höhe“ erhalten. „Unternehmen, die einen Rahmenvertrag mit uns geschlossen haben und alles apothekenspezifische über uns beziehen, wollen natürlich auch den Corona-Impfstoff von uns.“

Er wolle nicht mutmaßen, wie die Verteilung letztlich ablaufen soll, sei jedoch gespannt auf die Zuteilung durch den Bund. Denn wenn es da keine klaren Regelungen gibt, welcher Teil der Länderkontingente für die Betriebe vorgesehen sind, seien es große Versorgungsschwierigkeiten absehbar. „Wenn Berlin nur pauschal Mengen zuteilt und die Länder dann von denjenigen Kontingenten etwas abzweigen müssen, dann bleibt nichts für die Arbeitsmedizin übrig, weil alle Länder erst ihre Impfzentren bedienen wollen“, erklärt er. Es müsse deshalb von Vornherein festgelegt sein, wie viele Dosen für die Betriebe vorgesehen sind. Und das müsste auch in ausreichender Menge geschehen. „Allein BMW in Ingolstadt bräuchte mindestens 60.000 Dosen. Wenn die nur 500 kriegen, fangen die erst gar nicht an zu impfen.“

Das habe aber nichts mit Befindlichkeiten seitens der Unternehmen, sondern mit rein praktischen Erwägungen wie dem Organisationsaufwand und der innerbetrieblichen Verteilung zu tun. „Stellen Sie sich vor, da kommen die 10.000, die allein in einer Schicht am Band arbeiten, und es gibt nur 500 Dosen. Das gibt Mord und Totschlag im Betrieb.“ Allerdings sei er optimistisch, dass es so weit nicht kommen werde. „Die großen Mengen werden auch kommen und das wird sich auch einspielen.“ Schwierig werde vor allem der Anlauf. „Der Zeitplan ist schon sportlich, denn diese Logistik fährt man nicht innerhalb eines Tages hoch“, sagt er. „Am Anfang wird es deshalb etwas holprig sein in der Arbeitsmedizin, aber dann schnell besser werden. So war es ja auch beim Rest der Impfkampagne. Wenn alle an einem Strang ziehen, dann kann das schnell funktionieren mit der Belieferung der Betriebe.“

Nur wie genau das funktionieren wird, sei eben noch längst nicht klar. Vorbereitet sein müsse er trotzdem. „Es gibt zig Gedankenspiele, aber was letztlich festgelegt wird, ist noch komplett offen. Wir sind auch vorbereitet, aber niemand weiß etwas genaues.“

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