Können Sie das überhaupt? – Nein, ich bin nur Deko.

, Uhr

Seit ich in der Apotheke arbeite, weiß ich umso mehr, dass Menschen eine Herausforderung sind. Man will es allen recht machen, dem Chef, dem Kunden, der Krankenkasse und auch sich selbst. Doch das funktioniert natürlich nicht (immer). Häufig muss man ein Spagat hinlegen, nicht zulasten des eigenen Gewissens. Manchmal habe ich auch das Gefühl: „Egal was man macht, es ist irgendwie falsch.“ So hatte ich einmal eine ältere Kundin, die Zusatzverkäufe toll fand: „Ich würde mich freuen, wenn ich immer was dazu empfohlen bekommen würde. Leider macht das nicht jede Apotheke.” Bei anderen hingegen heißt es wiederum: „Die Apotheker wollen einem nur was andrehen!“ So viel dazu.

Am Mittwoch kam eine alte Dame in die Apotheke. Ich bemerkte ihre innere Unruhe. „Guten Tag, bitteschön?!“ Ich lächelte die Kundin an. „Ist nicht jemand anderes da? Können Sie das überhaupt“, sagte sie. Alle Kollegen waren im Kundengespräch. „Ich kann Ihnen bestimmt auch helfen“, gab ich ihr mit einem Lächeln zu wissen. Sie zögerte ein wenig und sagte dann: „Ich will mit einer kompetenten Person sprechen, sie können mir nicht helfen.“ Ich will nicht angeben, aber ich sehe jünger aus als ich bin. Vielleicht hat sie sich aber auch an meinem Äußeren gestört, das kann ich jetzt nicht einordnen. „Ich habe fünf Jahre studiert und denke schon, dass ich ihnen helfen kann“, habe ich geantwortet. Im Nachhinein ist mir eingefallen, dass dieser Satz doch witziger wäre: „Ich kann das nicht, mein Chef bezahlt mich nur fürs gute Aussehen.“ Oder: „Ich kann das nicht, ich bin nur Deko.“

Letztendlich hat die Frau das Ganze so dargestellt, als ob sie zum Mechanismus der Epidermal Growth Factor (EGF)-Rezeptorantagonisten beraten werden wollte und dies nur ein Mitarbeiter mit mindestens 20 Jahren Berufserfahrung und wissenschaftlicher Expertise könne. Und was waren ihre Beschwerden? Sie hatte Durchfall. Eine kompetente Beratung dazu kriegt wohl jeder von uns hin. Ich habe die Frau dazu gebracht, sich von mir beraten zu lassen. Nach unserem Gespräch hat sie sich entschuldigt und schnell die Apotheke verlassen.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
US-Staatsanwälte schreiben an Zuckerberg
Facebooks Umgang mit Impfgegnern»
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»