Köln: FFP2-Rabattwerbung an Tote verschickt

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„Werbung machen ist ja ok, aber solche Aktionen sind schlecht fürs Apothekenimage“, kritisiert beispielsweise Spieker. „Wenn sie sagen, ich verzichte auf Zuzahlung, dann sind das Bonus-Methoden wie die, zu denen sonst Versender greifen.“ Er habe deshalb auch schon die Kammer informiert, aber von der noch keine Rückmeldung erhalten. Vogelreuter wiederum weist auch diesen Vorwurf entschieden zurück. „Meine Intention ist es nicht, den Kollegen das Wasser abzugraben, sondern versandaffine Kunden zu gewinnen und einen Kontrapunkt zu den großen Versendern zu setzen“, sagt er. Und schiebt an die Adresse seiner aufgebrachten Kollegen hinterher: „Dazu muss aber auch jemand mal etwas machen!“ Außerdem habe der Erlass der 2 Euro Zuzahlung auch einen ganz einfachen praktischen Grund: „Wir verramschen gar nichts. Die 2 Euro erlassen wir aus prozessualen Gründen. Warum soll ich den Empfängern denn für diese Summe eine Rechnung beilegen?“ Und den großen Reibach mache er damit sowieso nicht. „So eine Aktion kostet ja auch nicht wenig Geld.“

Die Kammer wiederum hatte zwar nicht auf Spiekers Zuschrift reagiert – dafür aber am Mittwoch ein Sonderrundschreiben verschickt, in dem sie wie auch die saarländische Kammer kurz zuvor die Argumente der Kritiker übernimmt: Apotheken, die die Zuzahlung erlassen, versuchen demnach, sich darüber am Markt zu positionieren. „Wir erachten es als wünschenswert, dass die Apotheken die vom Verordnungsgeber vorgesehene Eigenbeteiligung bei den Anspruchsberechtigten einziehen, um eine verantwortungsvolle Inanspruchnahme zu gewährleisten, und diese nicht als Wettbewerbsinstrument nutzen“, heißt es in dem von Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann und Vizepräsidentin Kathrin Luboldt unterzeichneten Schreiben.

Eine rechtliche Möglichkeit, das zu unterbinden, sieht die Kammer – wie auch die Abda – allerdings nicht. „Diese Einschätzung stellt jedoch keinen Freibrief dar! Im Gegenteil sollte dieses Schreiben als Aufruf zur Solidarität verstanden werden!“, so Hoffmann und Luboldt. „Sich über eine solche Maßnahme zu differenzieren, ist einem kollegialen Miteinander nicht zuträglich. Nur weil etwas legal ist, ist es noch lange nicht richtig. Manche Kolleginnen und Kollegen sollten gerade diesen Satz noch einmal sacken lassen.“ Umgekehrt adressiert die Kammerführung aber auch die Kritiker der Aktion: Sie bitten die Kollegen, „sich unserem Appell für ein einheitliches Auftreten auf lokaler/regionaler Ebene anzuschließen und dort zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen“, so das Schreiben. „Denn für das Verfolgen berufsrechtlich relevanter Unkollegialität besteht in diesem Zusammenhang keine Veranlassung.“

 

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