Keine Öffnung ohne Teststrategie: Apotheken müssen jetzt anpacken

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Da könnte also einiges auf die Apotheken zukommen. Umso wichtiger ist es nun, der sonst so oft beschworenen hoheitlichen Aufgabe konstruktiv nachzukommen. Die Frage, ob Laientests nun apothekenpflichtig werden sollen oder nicht, ist dabei höchstens ein Nebenschauplatz. Viel interessanter als diese Frage ist der Gedanke, gegen ein angemessenes Honorar deren Verteilung an die Bevölkerung über die Apotheken zu organisieren, wie es SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis fordert. Eine ungleich größere Aufgabe für viele Apotheken dürften aber ohnehin die Antigen-Tests werden: Reihentestungen in Schulen, Kitas, Behörden und Betrieben, und nicht zuletzt massenhaft Einzeltestungen auf Anfrage werden eine immer größere Rolle spielen, um zumindest Ansätze von Normalität wiederherzustellen und damit auch den besonders von der Krise gebeutelten Menschen und Branchen – zu denen die Apotheken nicht gehören – langsam wieder auf die Beine zu helfen.

Dabei könnte sich einmal mehr das Versorgungsgefälle zwischen Stadt und Land zeigen: In den Großstädten ist es nie weit bis zur nächsten Apotheke. Schwierig könnte es abseits von ihnen werden: Gibt es in der Kleinstadt oder auf dem Dorf wenigstens eine Apotheke, die Tests durchführt oder muss ich erst in die 20 Kilometer entfernte Nachbarstadt fahren – eventuell sogar zu einem ganz anderen Anbieter? Hier hat die Branche die Möglichkeit, sich vor allem in den Augen der Bevölkerung als eine zentrale Stütze der Öffnungspolitik zu profilieren.

Niemand sagt, dass das einfach wird. Insbesondere für kleinere Betriebe, bei denen es sowohl personell als auch räumlich-technisch eng wird, werden kreative Lösungen gefragt sein. Sie sollten sich auf kommunaler Ebene hervortun, indem sie gemeinsame Konzepte auf die Beine stellen, und zur Not eben auch nach Hilfe zu fragen, wenn sie es personell und finanziell nicht allein stemmen können.

Apotheker Dr. Björn Schittenhelm hat bereits vorgemacht, wie das geht – auf ihn baut mittlerweile sein ganzer Landkreis. Dass sich die Apotheken dabei nicht auf die Beauftragung und Hilfe der chronisch überlasteten Gesundheitsämter verlassen können, hat das Beispiel von Schittenhelms Heimat Baden-Württemberg gezeigt: Den Durchbruch brachte die Initiative der grün-schwarzen Landesregierung, Apotheken pauschal über das dortige Gesundheitsministerium zu beauftragen. Damit liegt der Ball im Feld der anderen Landesregierungen – das Modell ist geeignet, den Aufbau flächendeckender Teststrukturen zu ermöglichen, ohne die Gesundheitsämter weiter zu belasten, indem es den Apotheken die Chance gibt, effizient niedrigschwellige Testkapazitäten aufzubauen. Diese Chance müssen sie dann aber auch nutzen.

 

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