Verunreinigtes Valsartan

Kein Rückruf auf Patientenebene Nadine Tröbitscher, 12.07.2018 10:19 Uhr

Der Präsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg und Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, sieht die Hersteller und die Politik in der Pflicht: „Bei allem Verständnis, dass überall auch mal Fehler passieren können: Ich frage mich schon, wie es sein kann, dass in rund 20 Herstellerbetrieben, die Valsartan-haltige Arzneimittel produzieren und die offenbar den gleichen Wirkstofflieferanten haben, nirgends eine solche Verunreinigung im Rahmen der Qualitätskontrolle aufgefallen ist.“ Trotz Sparmaßnahmen und wirtschaftlichem Druck könne und dürfe man sich keine Nachlässigkeiten in Bezug auf die Arzneimittelqualität erlauben.

Hersteller dürften sich nicht auf Zertifikate verlassen, die irgendwo in der Welt ausgestellt wurden „und die die Qualität der Wirk- oder Ausgangsstoffe für unsere Arzneimittel verbriefen sollen“. Becker: „So etwas, wie derzeit, darf nicht noch einmal passieren. Hier sind jetzt klar und eindeutig die Hersteller gefordert, in einer Art Qualitätsoffensive das Vertrauen in ihre Produkte wieder herzustellen“, sagt Becker.

Einen Appell richtet Becker auch an die Gesetzgeber. Die deutsche und europäische Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, damit die Wirkstoffherstellung wieder in Europa unter europäischen Standards stattfinde. Aktuell kämen vier von fünf Wirkstoffen aus Indien oder China. „In Asien hergestellt, in Ungarn oder Rumänien verpackt, in Malta kontrolliert und zum Schluss nach Deutschland transportiert – solche globalen Wege sind für Arzneimittel längst keine Ausnahme mehr. Dass das der Qualität wenig zuträglich ist, dürfte klar sein.“

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