Innocur-Chef zum Testkauf in Apotheke

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Berlin - Erneut wurde einer Apotheke im Einzelfall untersagt, die Opiumtinktur des Herstellers Maros als Rezepturarzneimittel abzugeben. Doch der Sieg des klagenden Herstellers Pharmanovia hat einen schalen Beigeschmack. Denn im Verfahren kam heraus, dass die Unternehmensspitze der deutschen Vertriebsfirma Innocur höchstpersönlich Hamburger Apotheken mit Testkäufen in die Falle gelockt hat.

Die Auseinandersetzung ist die alte und schnell erklärt: Maros verkauft seine Tinctura Opii normata Ph.Eur. als Rezepturarzneimittel an Apotheken. Da die als Rohstoff vertriebene Tinktur nur umgefüllt und neu etikettiert wird, handelt es sich aus Sicht von Innocur eben nicht um ein Rezepturarzneimittel, sondern um ein – nicht zugelassenes – Fertigarzneimittel. Es gibt damit eine direkte Konkurrenz, denn Innocur vertreibt in Deutschland das Präparat Dropizol des dänischen Herstellers Pharmanovia, der seit zwei Jahren Teil der britischen Athnahs ist.

Der Dropizol-Hersteller hatte sich ohne durchschlagenden Erfolg zunächst direkt mit Maros auseinandergesetzt und war in der Folge direkt gegen Apotheken vorgegangen. Das Landgericht Hamburg (LG) bestätigte jetzt Pharmanovias Position: Die Apotheke habe ein Fertigarzneimittel ohne die erforderliche Zulassung in den Verkehr gebracht. Dass es sich um ein nicht zulassungspflichtiges Rezepturarzneimittel handele, sei nicht zu erkennen.

Es geht um die Kernfrage, ob das Abfüllen Teil der Herstellung ist, die „im Voraus“ erfolgt sein muss, um von einem Fertigarzneimittel sprechen zu können. Die Richter stützen sich auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) aus dem Jahr 1999. Die Leipziger Richter hätten seinerzeit vor einer Gesetzesumgehung gewarnt, wenn Hersteller in großem Umfang Arzneimittel ohne Zulassung auf den Markt bringen könnten, indem sie lediglich das Abpacken in Kleingebinde und die Kennzeichnung den Apothekern überließen.

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