„Ich teste niemanden, solange wir nicht auch geimpft werden“

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Es sei notwendig, die Apotheker mindestens in die Priorisierungsgruppe 2 aufzunehmen, fordert Theilacker. „Es geht dabei um den fairen Umgang mit unserem Beruf. Mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen sie schon die Affen im Zoo, aber wir müssen immer noch warten“, sagt er. „Wenn ich eine wichtige und zentrale Rolle einnehme und man Wert legt auf meine Arbeit, dann muss man mir auch die entsprechende Ausrüstung dafür geben. Ansonsten bin ich nicht bereit, dafür meinen Kopf hinzuhalten.“

Das sieht auch Michael Aniol so, geht aber noch einen Schritt weiter – beziehungsweise geht den ersten Schritt anders als Theilacker gar nicht. „Ich werde so lange keine Tests in meiner Apotheke durchführen, bis wir Inhaber und unsere Angestellten geimpft sind“, sagt der Inhaber der Herz-Apotheke in Wolfenbüttel. „Einen Imagegewinn der Apotheken auf Kosten der Gesundheit meiner Mitarbeiter werde ich nicht mittragen.“ Auch er habe sich bereits an Kammer, Verband und Abda gewandt, aber noch keine brauchbare Antwort erhalten. Er verweist ebenfalls auf die Standesvertretung: „Die Abda forciert das und die Verbände sagen einhellig ja – und tragen das dann auf dem Rücken der Mitarbeiter aus. Die Ärzte haben es doch auch geschafft, wegen ihrer Exposition hochgestuft zu werden.“ Doch auch die Politik habe bei dem Thema einmal mehr versagt, denn statt auf eine langfristige und durchdachte Strategie zu setzen, werde mal wieder mit Schnellschüssen gearbeitet, die dann eben solche Unzulänglichkeiten offenbaren. „Das Thema war doch schon letzten Sommer akut, statt aber Strukturen vorzubereiten, wird jetzt kurzfristig verkündet, dass wir auch noch kostenlose Selbsttests abgeben sollen, noch bevor die überhaupt zugelassen sind. Da wird eine Sau durchs Dorf getrieben, noch bevor das Dorf überhaupt steht!“

Dabei sei die Vorgehensweise nicht nur eine „Missachtung der Menschen in der Apotheke“, wie Theilacker sagt, sondern auch den Getesteten gegenüber eine unnötige Gefährdung. „Das würden die meisten Menschen doch selbst nicht gut finden. Wir fummeln denen in der Nase und im Rachen rum und sind selbst nicht einmal immunisiert.“ Den „großen Skandal“ sehe er aber wie sein Kollege Aniol vor allem darin, dass Kammern und Verbände bisher nichts unternommen haben, um zumindest für die Apotheker, die sich durch das Testen verstärkt dem Virus aussetzen, einen ausreichenden Impfschutz zu verlangen. „Ich glaube nicht einmal, dass die Politik uns die Impfung verwehren würde – wir müssten sie nur endlich einfordern.“

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