„Hey Online-Apotheken“: Inhaber will Kunden zum Nachdenken provozieren

, Uhr

„Ich bin erst 28 und auch deshalb kein krasser Hardliner, der komplett gegen Digitalisierung und den Versandhandel ist. Im Gegenteil, als junger Mensch bin ich selbst modern und digital aufgestellt. Ich habe betreibe mit meiner Apotheke selbst einen Onlineshop, auch wenn ich nicht deutschlandweit, sondern lediglich im regionalen Umkreis verkaufe“, erklärt er. „Auch ich versende also und versuche meine Kunden auch auf Vorbestell-Apps einzustellen.“ Die Apotheke hat er 2018 von seinem Vater übernommen, ist also Apotheker in zweiter Generation. „Das war aber nicht das typische Familiending, dass ich seit dem Kreißsaal darauf gedrillt wurde, sondern ich habe sie aus eigenem Antrieb, zum Teil sogar gegen den Rat meines Vaters übernommen. Er hat mir damals schon gesagt, dass es in Zukunft nicht einfacher werden wird für einen Apothekeninhaber. Aber ich fand das Berufsbild des Apothekers immer sehr spannend, wollte mich um Menschen kümmern und täglich in direktem Kontakt mit ihnen sein.“

Das liege jedoch nicht nur an der Digitalisierung und sich dadurch wandelnden Geschäftsmodellen, sondern an der Art und Weise, wie die Branche reguliert werde. „Die Vor-Ort-Apotheken haben anders als ausländische Versandkonzerne hierzulande einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag und dementsprechend auch eine besondere, schützenswerte Position“, sagt er. Stattdessen würden die Kunden allerdings durch die aktuelle Rechtslage, insbesondere das berüchtigte EuGH-Urteil vom Oktober 2016, in die Arme ausländischer Versender getrieben. „Da gibt es eine rechtliche Schieflage, mit der es für die Vor-Ort-Apotheken ab dem E-Rezept noch sehr viel düsterer aussehen wird als bisher.“ Denn dann falle auch noch der beschwerliche Weg zum Briefkasten weg, der bisher noch notwendig ist, um das Rezept an die jeweilige Versandapotheke zu verschicken.

„Die Vor-Ort-Apotheken, die in der Krise Gas gegeben haben, sind diejenigen, die jetzt das Nachsehen haben. Deshalb war es mir ein Anliegen, meine Kunden im Schaufenster darauf hinzuweisen, wie die Rollen verteilt sind“, sagt er. „Solche gesundheitspolitischen Fragestellungen gehen aber für den Großteil der Kundschaft zu weit ins Detail, deshalb habe ich es mit dem Aufsteller etwas plakativ gemacht.“ Denn die Kunden könne man nicht über solche politischen Debatten oder eine Verweigerungshaltung erreichen – sondern müsse sie stattdessen da abholen, wo sie heute sind. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Kunde bequemer geworden ist. Er nimmt nicht mehr drei U-Bahnen und zwei Busse, um zu uns zu kommen, sondern wir müssen uns als Gesundheitsdienstleister auch zum Kunden wenden, zu ihm an die Haustür kommen.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Zu viel da, aber trotzdem knapp
Der Kollaps der Impfstofflogistik »
Mögliche Einführung im Februar
Scholz für Impfpflicht »
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen »
Weiteres