Heilbronn: Apotheke wirbt für „Querdenker“

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Die Pandemie als Verschwörung abtun oder gar die Existenz des Virus leugnen, wie es nicht wenige im „Querdenken“-Spektrum tun, will Kleinhans hingegen nicht. „Natürlich ist Covid-19 eine ernstzunehmende Krankheit, die tödliche Folgen haben kann“, räumt er ein. Allerdings gingen die aktuellen Debatten über Lockdowns und Schutzmaßnahmen am eigentlichen Problem vorbei. „Was ich aber im Diskurs vermisse: Wie kann man das Immunsystem stärken, damit man virale Infektionen vermeiden kann? Deswegen raten wir unseren Kunden zu Präparaten, die sie dabei unterstützen, wie Zink, Selen, Vitamin C und D, Omega-3-Fettsäuren und allgemein eine gute Darmflora. Es ist bereits bekannt, dass einige Corona-Tote vorerkrankt waren. Ein gutes Immunsystem ist daher essentiell.“

Dennoch: auch der schwäbische Apothekenbesitzer sät Zweifel an den offiziellen Zahlen zu Ausbreitung und Folgen des Virus. „Man kann Statistiken unterschiedlich betrachten: Es gibt beispielsweise Statistiken, die aussagen, dass man derzeit nur eine minimale Übersterblichkeit hat“, sagt er beispielsweise. Das Statistische Bundesamt sieht das bekanntlich anders: Einer Anfang Januar veröffentlichten Sonderauswertung zufolge lag die Übersterblichkeit beispielswiese in der 50. Kalenderwoche – also zwischen dem 7. und dem 13. Dezember, als die Pandemie besonders stark wütete – etwa 23 Prozent oder knapp 4300 Fälle über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Besonders hoch war die Übersterblichkeit demnach in den am schwersten von der Seuche heimgesuchten Gebieten: So lag sie in dem Zeitraum Sachsen 88 Prozent über dem Vorjahresdurchschnitt, aber auch Brandenburg und Thüringen waren mit 34 und 35 Prozent besonders hart betroffen.

Doch diesen Zahlen will Kleinhans auch aus anderen Gründen nicht vertrauen. „Mir scheinen die Zahlen zur Pandemie nicht verlässlich, da die Todeszahlen sich auf Tote beziehen, die an und auch mit Covid-19 starben: Wenn jemand einen Herzinfarkt kriegt und dabei Corona hat, dann wird sie als an Corona verstorbene Person gezählt“, sagt er. Dass es sich dabei ebenfalls um ein Missverständnis handelt, wurde allerdings auch schon von Ärzten und Gesundheitsbehörden erklärt: Die Kategorisierung der Todesopfer wird von den Gesundheitsämtern vorgenommen, weder vom RKI noch von den behandelnden Ärzten. Die Covid-19-Erkrankung einer Person wird demnach auch gar nicht in dem von den Ärzten an das Gesundheitsamt übermittelten Totenschein als Todesursache genannt, sondern lediglich genannt. Ob jemand an oder mit Covid-19 gestorben ist, entscheiden die Gesundheitsämter – und zählen nach eigenen Angaben Fälle wie den von Kleinhans beschriebenen dabei auch gar nicht mit in die Statistik. „Ich finde es auch fragwürdig, dass das Robert-Koch-Institut zu Beginn der Pandemie sagt, dass die Toten nicht obduziert werden sollen. Wie kann man so wissenschaftliche Erkenntnisse erlangen?“, fragt der. Und darüber lässt sich tatsächlich streiten: Seit Beginn der Pandemie gibt es auch Experten, die ebenfalls kritisieren, dass nicht früher mehr obduziert wurde, um bessere Erkenntnisse über die Wirkung von Sars-CoV-2 zu erlangen.

 

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