FFP2-Verteilung: Was Spahn daraus lernen sollte

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Berlin - Die Masken-Verteilaktion von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht zu Ende – Zeit, Bilanz zu ziehen. Die chaotische Aktion war ein Menetekel für die Impfstoffverteilung und hat einmal mehr deutlich gezeigt, was mit Spahns Führungsstil nicht stimmt – aber auch, was in der Apothekenbranche falsch läuft, kommentiert Tobias Lau.

Einfach mal machen: So kommt man zum Macher-Image. Das gilt auch für Jens Spahn: Er verkündet und direkt danach soll es losgehen. Dass die Pläne dabei meist nicht bis zu Ende durchdacht und sowieso nicht ausreichend koordiniert oder wenigstens abgesprochen sind, bekommen vor allem diejenigen zu spüren, die die Arbeit für ihn machen müssen. Im Februar ist er damit unsanft gelandet, als die Kanzlerin seine großspurige Ankündigung kassierte, dass ab März jeder Bürger Anspruch auf kostenlose Corona-Tests habe. Dabei muss man ihm zugutehalten, dass das Risiko durchaus kalkuliert war – denn wenige Wochen zuvor war er ja genau mit der Masche schon einmal durchgekommen.

Im Dezember nämlich, als er verkündete, dass Risikogruppen Anspruch auf kostenlose FFP2-Masken haben – und zwar nur wenige Tage, nachdem er es bekanntgab. Die Apotheken waren die Befehlsempfänger, sie mussten aus dem Stegreif zehn-, manche gar hunderttausende Masken beschaffen, sie prüfen, kreative Lösungen finden, um den absehbaren Ansturm zu bewältigen, und sich bei alldem darauf verlassen, die Abgabe auch angemessen vergütet zu bekommen und nicht im Nachhinein gegen Vorgaben zu verstoßen, die sie in dem Moment noch gar nicht kennen konnten. Denn eine Rechtsgrundlage gab es zu dem Zeitpunkt für die Aktion gar nicht – die Verordnung wurde erst am Nachmittag des ersten Abgabetages im Bundesanzeiger veröffentlicht. Der erste bemerkenswerte Vorgang.

Immerhin: Die Vergütung war im ersten Durchgang der Maskenvergabe wahrlich nicht zu knapp geraten. Die Frage, ob es sich dabei wirklich um ein Geschenk an die Apothekerschaft handelte oder schlicht um eine schlechte Kalkulation basierend auf einem zu hoch ermittelten durchschnittlichen Einkaufspreis pro Maske, ist eigentlich zweitrangig. Denn in der Publikumspresse war das Narrativ schnell klar: Es muss das Steuergeschenk gewesen sein. Vielen in der Branche treibt die Mär von der mächtigen Apothekerlobby angesichts jahrzehntelang ausbleibender Honoraranpassungen sowieso nur noch ein sardonisches Lächeln ins Gesicht. Doch das Kind war in den Brunnen gefallen, der Imageschaden angerichtet.

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