Euler Hermes will Rezeptabrechnung versichern

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Für Jeinsen geht das Angebot deshalb an den wirklichen Bedürfnissen der Branche vorbei. „Die Lösung liegt nicht darin, dem Apotheker etwas aufzuerlegen, was er voraussichtlich nie brauchen wird. Die Apotheker müssen hier wieder als schwächstes Glied in der Kette für die Unzulänglichkeiten anderer herhalten.“ Die eigentliche Lösung wäre demnach viel einfacher: Jede Apotheke sollte bei möglichst vielen Abrechnungsstellen einreichen dürfen, um ihr Risiko zu streuen – was die Krankenkassen jedoch bis dato nicht zuließen. „Bildlich gesprochen sind die Apotheken dadurch gezwungen, auf ein Pferd zu setzen. Eines dieser Pferde ist jetzt aber gestürzt“, so Jeinsen. „Eigentlich ist nun der Gesetzgeber gefragt, die Verpflichtung, nur eine Rezeptabrechnungsstelle zu beauftragen, aufzuweichen. Beim Großhandel käme auch kein Apotheker auf die Idee, nur auf das sprichwörtliche eine Pferd zu setzen. Hier wird das Risiko seit Jahren gestreut.“

Doch nicht nur den Gesetzgeber sieht er in der Pflicht, Lehren aus der aktuellen Lage zu ziehen, sondern auch die Versicherer: „Meiner Meinung nach muss es nach der Coronakrise und nach AvP auch eine Veränderung im Versicherungsmarkt geben – und zwar dahingehend, dass damit zusammenhängende neue Risiken automatisch mit versichert sein können.“ Es stehe zu erwarten, dass die Versicherungswirtschaft für diesen Fall eine Lösung anbietet. So könne man sich zwar mit einer Betriebskostenversicherung gegen Schließung im Pandemiefall versichern.

„Die allermeisten Apotheken schließen aber nicht, sondern haben wegen der Pandemie einerseits mit erhöhten Kosten wegen der Schutzmaßnahmen, andererseits mit Umsatzeibußen zu kämpfen. Und gegen die versichert sie bis dato niemand. Alle anderen, wie zum Beispiel Arzt- und Zahnarztpraxen, schließen und kriegen deshalb Geld von der Versicherung. Nur Apotheken halten mit maximalem Einsatz und unter erhöhten Kosten um jeden Preis auf, haben dafür aber keinen Versicherungsschutz“, so Jeinsen. Umsatzeinbußen und Kostenerhöhungen durch Pandemiebekämpfungsmaßnahmen müssten deshalb zukünftig abdeckbar sein. „Eigentlich bräuchte es nun politischen Druck aus der Apothekerschaft, aber dazu hört man bisher zu selten etwas.“

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