Malariamittel fordert Todesopfer

Erste Chloroquin-Studie abgebrochen Alexandra Negt, 17.04.2020 10:25 Uhr

Die Forscher sprechen sich für einen vorsichtigen Einsatz von Chloroquin aus, gerade bei Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. „Das Auftreten einer Myokarditis in unserer Stichprobe zusammen mit der bestätigten QT-Zeit-Verlängerung erfordert Vorsicht in Bezug auf die Sicherheit dieses Arzneimittels.“ Unter der Gabe der hohen Dosis Chloroquin kam es zu einer Zunahme von tödlichen Arrythmien wie ventrikulärer Tachykardie. Diese signifikanten Verlängerungen des QT-Intervalls führten bei elf Patienten zum Tode, insgesamt starben in der Hochdosis-Gruppe 16 von 41 Patienten bis zum 13. Studientag – dieser Arm der Phase-II-Studie wurde sofort abgebrochen.

Placebogruppe fehlt aus ethischen Gründen

Die Forscher sind sich bewusst, dass die Studie Schwächen hat. Das Fehlen einer Placebogruppe sei problematisch, da weniger Vergleiche gezogen werden könnten. Jedoch sei es in Brasilien bei schweren Fällen von Covid-19 aus ethischen Gründen seitens der Gesundheitsbehörden nicht erlaubt, eine Placebogruppe mit in die Studien einzuschließen.

Kombinationstherapien fragwürdig

In-vitro gilt eine Kombinationstherapie des Malariamittels Chloroquin und des Antibiotikums Azitrhomycin als sehr wirksam. Beide Wirkstoffe können zu kardialen Nebenwirkungen führen. „Man weiß, dass jedes der beiden Medikamente zu bösartigen Herzrhythmusstörungen führen kann und sich eine Kombinationstherapie beider Medikamente eigentlich verbietet,“ so Professor Dr. Thomas Meinertz, Kardiologe und Pharmakologe des wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Zudem seien Patienten, die aufgrund von Covid-19 stationär behandelt werden müssen, häufig älter als Patienten, die eine Malariaprophylaxe erhalten. Ältere Patienten würden neben einem generell langsameren Stoffwechsel auch weitere Komorbiditäten aufweisen – dieser Fakt dürfte nach Ansicht der Kardiologen nicht vergessen werden. „Chloroquin verlängert in höheren Dosen die QT-Zeit deutlich. Gibt man dann Azithromycin, das selbst die QT-Zeit meist nur mäßig verlängert, dazu, kann sich die QT-Zeit noch einmal verlängern“, erklärte der Heidelberger Herzspezialist Dr. Klaus von Olshausen, ehemaliger Chefarzt der Abteilung für Kardiologie der Asklepios-Klinik Hamburg Altona. Die vermuteten synergistischen Effekte bezüglich der QT-Zeit scheinen sich in Brasilien bestätigt zu haben.

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