Einkaufserlebnis: Ist der Einzelhandel so zu retten?

Apothekerin enttäuscht vom Weihnachtsshopping

, Uhr

Die nächste Station war ein Drogeriemarkt. „Die unfreundliche Mitarbeiterin an der Kasse war mit meinen kleinen Artikeln vermutlich angenervt. Gern hätte ich mehr gekauft, aber ich habe nicht das gefunden, was ich mir vorgestellt und gesucht hatte“, beschreibt sie das fragwürdige Einkaufserlebnis. Immerhin: Die nächste Station war ein Kleidungsgeschäft, das den Ruf des Einzelhandels rettete. „Für meine Tochter wollte ich ein spezielles Bekleidungsstück und im Fachgeschäft mit einer freundlichen und kompetenten Mitarbeiterin habe ich das gewünschte Teil bekommen. Zusätzlich gab es Hilfestellung und Ratschläge dazu“, erinnert sie sich. „Das nenne ich Service und ein kleines nettes Gespräch machte mir Hoffnung, dass es den Einzelhandel gibt, der auf Kundenbedürfnisse eingeht.“

Doch mit dem nächsten Geschäft kam schon die nächste Enttäuschung. Gutscheine für das Weihnachtswichteln wollte sie dort kaufen. „Früher wurde ich dort immer gefragt, ob es weihnachtlich verpackt werden soll. Dieses Jahr war die anwesende Mitarbeiterin eher genervt, 13 Gutscheine auszustellen. Mit einem Stift wurde lieblos der Betrag in die Gutscheinkarte gekritzelt und ohne Emotionen die Plastikkarten auf den Klebepad geklatscht“, erzählt sie. „Das macht besonders viel Freude beim Verschenken, wenn man sich an diesen Geschäftsvorgang erinnert.“ Ein Besuch in der Filiale einer Deko-Kette setzte da noch eins drauf: Hänel war auf der Suche nach Weihnachtskarten, die sie ihren Mitarbeitern persönlich schreiben möchte. Sie wurde fündig und fand ein tolles Motiv – allerdings waren nur noch acht Karten im Aufsteller, sie brauchte aber 13. Also fragte sie freundlich eine Mitarbeiterin, ob denn noch weitere an Lager wären. „Die Antwort der Mitarbeiterin lies mich sprachlos werden: Ja, haben wir. Da komme ich jetzt aber nicht ran, ich fülle erst morgen wieder auf.“ Also kaufte sie noch fünf Karten mit einem anderen Motiv.

„Nachdenklich und traurig fuhr ich nach Hause“, erinnert sie sich. „Ich hatte mir extra Zeit für die Einkäufe genommen. Bis auf das kleine Fachgeschäft mit dem angenehmen Service kann ich diese zwei Stunden nicht als Einkaufserlebnis bezeichnen.“ Dabei zeige vor allem der Vergleich mit dem eigenen Betrieb, wie wenig Engagement viele Einzelhändler offensichtlich an den Tag legen – und wie wenig Gedanken sie sich darüber machen, was notwendig ist, um gegenüber dem Onlinehandel zu bestehen. „Ich mache mir viele Gedanken, was ich gegenüber der Konkurrenz besser machen kann“, sagt sie. „Warum bestellen denn so viele Menschen bei DocMorris, statt in die Apotheke um die Ecke zu gehen? Nicht nur wegen des Preises, sondern auch, weil der Service nicht stimmt.“ Für sie selbst stünden Freundlichkeit, Service und Beratung an erster Stelle, sie und ihre Mitarbeiter würden sich die Zeit nehmen, auf die Bedürfnisse jedes Kunden einzugehen und Wünsche zu erfüllen, soweit es möglich und erlaubt ist. Dafür stehe sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend in der Apotheke, liefere danach zum Teil noch aus – und muss dann sehen, dass ein Reisebüro von 10 bis 16 Uhr offen hat. Man müsse aber zeigen, dass ein Vor-Ort-Geschäft, außer beim Preis, mehr kann als der Online-Handel. „Nur leider erreicht man als Einzelkämpferin nichts, wenn die anderen Mitstreiter im Einzelhandel nicht mitziehen.“

 

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»