DocMorris versenkt seine Versandapotheke

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Ein Hauptziel des Parallelbetriebs aus Versandapotheke und der vergangenen Dezember eingeführten Plattform in diesem Jahr sei gewesen, Lieferoptionen zu testen und Erfahrungen mit der Lieferung am gleichen Tag zu sammeln. Zudem wollte man das Fundament des Partnerapotheken-Netzwerkes schaffen. Bis die Plattform unter der Marke DocMorris alle Angebote integriert, soll sie zudem einen neuen Namen bekommen: Aus DocMorris+ wird DocMorris Express, erklärte Hess gegenüber dem Handelsblatt. Allerdings können bisher nur wenige Verbraucher die Express-Funktion nutzen: Nur 35 Vor-Ort-Apotheken sind bisher auf der Plattform gelistet.

Das soll sich bald ändern, Hess hat große Pläne: DocMorris wolle so viele Partner gewinnen, dass 70 Prozent der Bevölkerung den Botendienst als Zustellungsart wählen können. Dafür brauche es knapp über 1000 Vor-Ort-Apotheken auf der Plattform, die natürlich geographisch auch entsprechend verteilt sein müssen. Dieses Ziel solle innerhalb von zwei Jahren erreicht werden, 60 weitere Apotheken kämen bald hinzu, bis Ende 2021 sollen es rund 200 sein. So gesehen ist DocMorris gegenüber der Vor-Ort-Konkurrenz von Gesund.de mit ihren 4000 Apotheken weit im Hintertreffen. Doch um die Zahl der Apotheken gehe es primär gar nicht. „Anders als gesund.de verfolgen wir nicht das Ziel, möglichst viele Apotheken auf unsere Plattform zu bringen – sondern die mit möglichst guten Angeboten und Services“, so Hess im Handelsblatt.

Ziel sei, mit dem neuen Konzept den eigenen Anteil am deutschen Rx-Geschäft von jetzt 1,4 Porzent massiv zu steigern. „Unsere Erwartung ist, dass wir einen Anteil von 10 Prozent innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre erreichen“, erklärte Hess im Juni gegenüber Investoren. Der Rx-Umsatz würde dann von jetzt 600 Millionen auf mindestens 4,3 Milliarden Euro steigen. Das wolle DocMorris aus eigener Kraft (und der der Partnerapotheken) schaffen, so Hess gegenüber dem Handelsblatt. Wie es mit der App „DocMorris Express“ weitergehen werde, könne aktuell nicht beantwortet werden.

Gerüchten über eine Übernahme von Shop Apotheke oder einer Kooperation mit Amazon erteilte Hess eine Absage. Um an möglichst viele E-Rezepte zu gelangen, muss der Versender bisher die Gematik-App umgehen und kann dazu nur auf die Scan-Funktion seiner App setzen. Eine wichtige Weichenstellung sollte jedoch dringend nach DocMorris‘ Vorstellungen kommen: Die Rechtsverordnung, mit der das Bundesgesundheitsministerium festlegt, wie und unter Freigabe welcher Daten Drittanbieter-Apps künftig E-Rezepte aus der Gematik-App importieren können, um eine medienbruchfreie Nutzung elektronischer Verordnungen zu ermöglichen. Hier zeigte sich Hess selbstbewusst: „Der Gesetzgeber wird den Wunsch der Kunden nach flexiblen Lösungen berücksichtigen. Es kann nicht alles durch einen staatlichen Trichter gehen.“

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