Diskriminierungsverbot: Apotheken dürfen nicht mehr beraten

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Man muss den Richtern in Karlsruhe und Leipzig freilich zugute halten, dass sie die Preisbildung nicht aufgeben, sondern mit ihren obskuren Entscheidungen versuchen, sie irgendwie zu retten. Denn auch wenn es schon die Dimension von EZB-Programmen braucht, damit oberste deutsche Gerichte sich offen gegen die Kollegen in Luxemburg stellen: Der Unmut über das Urteil zu den DocMorris-Boni schwingt in jeder aktuellen Entscheidung zum Thema mit. Was seit drei Jahren fehlt, ist die angeforderte Stellungnahme der Bundesregierung zum Thema. Herr Spahn, schauen Sie doch mal auf Ihren Zu-Erledigen-Stapel!

Die Zeit spielt jedenfalls für die Versender, E-Rezept und Corona-Krise beflügeln jedenfalls die Fantasie von Analysten und Anlegern. Shop-Apotheke verkündete eine halbe Million Neukunden und 42 Prozent mehr Umsatz im zweiten Quartal – und räumte ein, allmählich an der Leistungsgrenze angekommen zu sein. Vielleicht mal bei der EU-Kommission fragen, ob die nicht schnell eine neue Halle sponsert.

Ins holländische Exil hat jedenfalls auch Apo-Discounter verschlagen. Der Versender aus Leipzig hat in Duiven eine Logistikhalle in Betrieb genommen; die dortige Schwesterfirma spendiert Kunden bis zu 30 Euro Bonus pro Rezept. Geworben wird dafür auch im deutschen Webshop, auf den ersten Blick ist nicht so genau zu erkennen, wo die Grenze verläuft. Die Kammer in Sachsen hat die Apothekerin um Stellungnahme gebeten, und auch die Wettbewerbszentrale schaut sich die Konstruktion derzeit genauer an.

Wem solche Möglichkeiten fehlen, weil er eben vor Ort ist, der soll künftig über Plattformen Zugang in die virtuelle Welt finden. Die Initiative Pro AvO kündigte in dieser Woche an, dass ihr gerade erst präsentiertes Konzept Apora nun doch nicht umgesetzt wird – weil man gemeinsam mit Phoenix ein noch größeres Modell aufsetzen will: Eine allumfassende Gesundheitsplattform soll entstehen, an die nicht nur Apotheken, sondern auch Ärzte und andere Leistungserbringer angebunden werden sollen. Bleibt zu hoffen, dass die Dienstleister nicht vergessen, wo ihr Platz eigentlich ist. Dr. Stefan Hartmann will jedenfalls genau hinschauen, dass der Apothekenmarkt nicht auf dem Basar der Eitelkeiten geopfert wird.

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