Temperaturfibel

Diese Apothekerin macht Kollegen hitzefest Hagen Schulz, 23.07.2019 09:48 Uhr

ADHOC: Können Kunden vor Ort in der Apotheke einschätzen, ob die Lagerung funktioniert und die Temperaturvorschriften eingehalten werden?
BORN: Nein, und das macht die Arbeit der Apotheker umso bedeutsamer. Im Supermarkt sieht der Kunde sofort, ob das Obst noch frisch oder ein Schokoriegel geschmolzen ist, weil er nicht richtig gekühlt wurde. In der Apotheke fehlt dieser „Druck“ von Kundenseite. Einer Tablette sieht man nicht an, ob sie noch wirkt. Bei Kunden fehlt auch in der privaten Handhabung das Wissen. Wie oft kommt es vor, dass Ibuprofen-Tabletten in einer Handtasche zwei Jahre mitgeschleppt werden? Hier ist es auch so, dass es in der Breite ein größeres Verständnis für die Empfindlichkeit von Arzneimitteln gibt, die im Kühlschrank gelagert werden müssen. Die Apotheker sollten beides tun: Sich und die Temperaturen in ihrer Offizin stärker selbst kontrollieren und die Kunden besser aufklären. Da gibt es noch großes Potenzial zur Weiterentwicklung.

ADHOC: Welche Kosten können Apothekern bei einer penibel ordnungsgemäßen Lagerung von Medikamenten entstehen?
BORN: Natürlich ist die Aufrüstung mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die Isolierung der Schleusen oder der Einbau einer Klimaanlage können schnell ein paar Hundert Euro kosten. Zudem müssen an mehreren Stellen in der Offizin eine Temperaturüberwachung und das entsprechende Programm installiert werden, was neben einem Kostenaufwand mit einem Zeitaufwand für den Einbau und der Schulung der Mitarbeiter verbunden ist. Die Einsparungen, die dadurch im zweiten Schritt möglich sind, wenn die Mitarbeiter die Temperaturen nicht mehr von Hand dokumentieren, werden oft nicht gleich gesehen. Vor einer besonderen Herausforderung stehen natürlich Versandapotheken: Denn ehrlich, wie soll der Kunde einschätzen, ob die per Post verschickten Medikamente während der Auslieferung richtig gekühlt werden?

ADHOC: Welche Entwicklungen erwarten sie künftig auf dem Gebiet der Temperaturüberwachung?
BORN: Es gibt mehr Kontrollen und die Apotheker werden stärker in die Verantwortung gezogen. Das ist schon gut. Wenn der „regulatorische Druck“ noch etwas zunehmen würde, könnte sich die Priorisierung noch etwas verschieben. Das Thema wird mit immer heißer werdenden Sommern immer wichtiger, und das Interesse in der Branche nimmt zu. Es gibt gefühlt 50.000 Fortbildungen zum Thema Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Schulungen, wie Medikamente richtig gelagert und transportiert werden, sind da bisher eher nicht im Fokus. Ich denke, da kann und wird sich in Zukunft noch vieles bewegen. Ich werde jedenfalls nicht aufhören, den Apothekern zu sagen: „Ihr müsst eure Hausaufgaben machen.“

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