7 Dosen möglich

Die Sache mit dem Totvolumen

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Die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit kommt auf. Hausärzte und Apotheker kommen im Beitrag zu Wort. Sie alle bedauern den Verwurf von intaktem Impfstoff und können die Vorgehensweise mit ihrem Berufethos nicht vereinen. Der interviewte Apotheker aus Moers gibt an, dass die siebte Dosis in 50 bis 80 Prozent der Fälle entnommen werden kann. Die Range ist hoch. Er und seine Mitarbeiter arbeiten in einem Reinraum. Die vollständige Aufarbeitung der Vakzine erfolgt unter sterilen Bedingungen. Die Mitarbeiter sind routiniert im Umgang mit kleinen Volumina, Spritzen und Kanülen. Wenn die Chance auf eine siebte Dosis besteht, dann sollte diese auch genutzt werden, argumentiert der Pharmazeut.

Für Impfzentren, die ohne Sterillabor oder Werkbank aufarbeiten stellt jeder zusätzlicher Arbeitsschritt eine potentielle Verunreinigungsgefahr dar. Darüber hinaus arbeiten Apotheker:innen und PTA in den Zentren und mobilen Teams mitunter unter schlechteren Lichtverhältnissen. Die Kleinstvolumina können unter Umständen schlechter visuell überprüft werden. Unvollständig aufgezogene Spritzen sind zu verwerfen. Ein Pooling aus mehreren Vials der gleichen Charge ist nicht erlaubt. Welche Auswirkungen mehrmaliges Aufziehen, Einstellen und Nachbessern auf den mRNA-Impfstoff hat oder haben könnte ist aktuell unklar.

Abhilfe schaffen könnten Totvolumen-freie Spritzen. Hierbei handelt es sich um einteilige Spritzen mit fester Kanüle. Laut Dr. Hans Christian Meyer könnten spezielle Spritzen für die intravitreale Injektion Abhilfe bei der Totvolumen-Problematik schaffen. Meyer, leitender Impfarzt im Rheinisch-Bergischen Kreis bezieht sich auf patentierte Spritzen eines jungen niederländischen Unternehmens. Aktuell führt er mit diesen Spritzen erste Untersuchungen durch. Mit den Totvolumen-freien Spritzen gelingt eine siebenmalige Entnahme von 0,3 ml jedes Mal, berichtet er gegenüber der Bild. Noch unklar ist, ob der geringere Durchmesser der Kanüle Auswirkungen auf den Impfstoff haben könnte. Die von Meyer benannten Spritzen ähneln sogenannten Insulinspritzen. Diese sind ebenfalls nahezu Totraum-frei.

 

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