Arzneimittelmissbrauch

Dextromethorphan: AMK warnt Apotheken APOTHEKE ADHOC, 12.11.2019 14:31 Uhr

Dextromethorphan hemmt NMDA- und stimuliert Sigma-1- und 5-HT-Rezeptoren. Es wird rasch resorbiert und unterliegt einem schnellen, umfangreichen, hepatischen Stoffwechsel über CYP2D6. Bereits nach rund 15 Minuten kann die Wirkung einsetzen. Durch die Hemmung von NMDA-Rezeptoren wird derzeit das Abhängigkeitspotential begründet. Bei Überdosierungen besteht ein erhöhtes Risiko für Übelkeit und Erbrechen, Unruhe, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Herzrasen, QTc-Verlängerung, Psychosen mit visuellen Halluzinationen und Übererregbarkeit. Im Falle einer massiven Überdosierung sind Krämpfe, Atemdepression, und Koma beschrieben. Aufgrund des CYP2D6-Polymorphismus ist die Dextromethorphan-Exposition interindividuell sehr verschieden und damit das Risiko für Nebenwirkungen schwer vorhersehbar. Etwa 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung sind langsame CYP2D6-Metabolisierer, bei denen vergleichsweise niedrige Dosen bereits zu Hospitalisierungen führen können.

In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Maßnahmen zur Risikoreduktion ergriffen: So wurde die Packungsgröße der Kapsel-Monopräpate reduziert und zuletzt Mitte 2017 die Fach- und Gebrauchsinformationen um entsprechende Hinweise zu Missbrauch und Metabolismus aktualisiert. Aktuell werden erneut die Produktinformationen aufgrund des Risikos der Serotonin-Toxizität angepasst.

Die AMK bittet das pharmazeutische Personal daher weiterhin um besondere Aufmerksamkeit bei der Abgabe von Dextromethorphan-haltigen Arzneimitteln, insbesondere bei Kapsel-Monopräparaten, und erneuert die Empfehlung, Dextromethorphan möglichst nicht an Jugendliche abzugeben – auch die Abgabe an junge Erwachsene ist kritisch zu hinterfragen. Um einem potentiellen Missbrauch entgegenzuwirken, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: Zunächst sollen konkrete Informationen über die Anwendung und Absichten erfragt werden und über die potentiellen Risiken aufgeklärt werden. Außerdem sollte von der gleichzeitigen Abgabe weiterer OTC-Präparate abgesehen werden, die additive zentralnervöse Effekte verursachen oder mit der Pharmakokinetik von Dextromethorphan interagieren können. Bei der Ablehnung von Beratungsangeboten kann die Abgabe in letzter Konsequenz verweigert werden.

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