Das Kry-Experiment

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Die Bestätigung zeigt den Anlass für den Arzttermin, die erwarteten Kosten von 30 bis 51 Euro sowie den Namen des Arztes, der uns gleich anrufen soll: Ein Internist aus Berlin-Reinickendorf. Kurz vorher erhalten wir eine Bestätigung des Termins per SMS: Wir sollen uns bitte anmelden, der Arzt werde uns anrufen. Wir sollen uns auf das Gespräch vorbereiten und sicherstellen, dass wir eine gute Internetverbindung haben, der Akku aufgeladen ist und Benachrichtigungen aktiviert sind.

16.18 Uhr – zwei Minuten vor dem Termin – ruft uns der Arzt über die App an. Es ist ein holpriger Gesprächsbeginn: Der Verbindungsaufbau braucht eine Weile, Bild- und Tonqualität sind anfangs mangelhaft. Das Bild hängt und der Ton wird von einem metallischen Echo gestört. Der Arzt versucht, die Identität unserer Testpatientin abzufragen, scheitert aber an der schlechten Verbindung. „Ich kann Sie nicht sehen“, sagt er. „Ich lege auf und rufe Sie nochmal an.“ Wenige Sekunden später klingelt es erneut, von da an ist die Leitung stabil.

Der Arzt ist ausgesprochen freundlich und fragt die Sachen, die wir vorher per Häkchen bestätigt haben, erneut ab. Darauf baut das Beratungsgespräch auf: Er fragt unsere Testpatientin, ob sie Blut im Urin hat, ob der Urin anders riecht, ob sie Medikamente nimmt oder Allergien hat. Blut und Geruch bejaht unsere Patientin, bei den Medikamenten verneint sie. „Sie sind ja eine junge Frau, klar sind sie gesund“, scherzt der Arzt. „Gesünder als ich.“ Er verordnet das Antibiotikum Azithromycin 500 mg, drei Tabletten. Unser Testpatientin wirft ein, dass sie schon einmal „so ein Pulver zum Einrühren und Trinken“ gehabt und ihr das sehr geholfen habe. Daraufhin verordnet er ihr zusätzlich Monuril-Pulver und gibt ihr die Tipps, sich warm einzupacken und so viel wie möglich zu trinken. Wenn sie die beiden Arzneimittel wie besprochen einnehme, müsste sie „für diesen Winter durch sein“.

Nun geht es ans Eingemachte: Unsere Patientin fragt ihn, wie das jetzt mit dem Rezept und dem Arzneimittel funktioniert. „Sie kriegen das Rezept über die Plattform“, sagt der Mediziner. Sie solle sich keine Sorgen machen, das sei von der Bundesdruckerei zertifiziert und alles rechtlich einwandfrei. Über die technischen Details scheint er nicht ganz im Bilde, weist aber darauf hin, dass sie sich ihre Apotheke selbst aussuchen könne. Unsere Patientin bohrt nach. Ob wir denn nicht vorher abfragen können, ob eine Apotheke das auf Lager hat, will sie wissen. „Sind sie gerade in Berlin?“, fragt er. Offensichtlich kann er die Adressdaten sehen. „Bei mir hier um die Ecke in Reinickendorf ist eine Apotheke, wo sie direkt hingehen könnten“, empfiehlt er. Doch wir sind am Potsdamer Platz in Mitte, 12 Kilometer entfernt.

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