Personalmangel und Überalterung

Das große Apothekensterben – kommt erst noch dpa/APOTHEKE ADHOC, 10.02.2019 15:31 Uhr

Ziegenrück wird jetzt von der Rosen-Apotheke im rund 15 Kilometer entfernten Pößneck (beide Saale-Orla-Kreis) mit versorgt. Sie hat in dem 600-Einwohner-Ort eine Rezeptsammelstelle eingerichtet. Der Briefkasten für die Rezepte befinde sich an einem Gebäude, das auch eine Arztpraxis beherberge und so für Patienten gut erreichbar sei, erläutert Inhaber Ralf Klitzpera. In anderen Orten sind die Rezeptbriefkästen laut Kammer beispielsweise auch an Gemeinderäumen angebracht. „Vor allem ältere, weniger mobile Menschen oder Alleinlebende nutzen das Angebot“, sagt Klitzpera. Täglich mindestens einmal, an drei Wochentagen sogar zweimal steuert sein Personal Ziegenrück an, um den Briefkasten zu leeren und Medikamente auszuliefern. Für die Patienten habe das den Vorteil, dass ihnen ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehe, meint Klitzpera.

Aus Apothekersicht funktioniert das Prinzip Rezeptsammelstelle besser als die von der Branche seit Jahren kritisch beäugten Online-Apotheken. Die Medikamente kämen in der Regel noch am selben Tag zu ihrem Empfänger, so Neidel. „Das heißt, die Sammelstellen sind schneller als Internetportale.“ Zudem kämen empfindliche Medikamente auch sicherer an, meint Stefan Fink, der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes. „Insulin für Diabetiker zum Beispiel muss im Sommer beim Transport gekühlt werden. Doch im Versandhandel ist das nicht sichergestellt.“ Es gebe keine entsprechenden Auflagen für die Versandhändler.

Der Verband rechnet damit, dass die Zahl der Rezeptsammelstellen in Thüringen in Zukunft steigen könnte. „Wenn in weiteren Orten die einzige Apotheke schließt, wird das wohl passieren“, so Fink. Bereits jetzt sei der jahrelange Boom bei der Gründung von Apothekenzweigstellen in Thüringen abgeflaut. Dies sei vor allem im ländlichen Raum eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „Eine Apotheke braucht ein Einzugsgebiet mit rund 4000 Einwohnern.“ Zudem würden für die Filialleitung approbierte Apotheker und zusätzliches pharmazeutisches Personal benötigt. „Hier aber steuern wir auf ein Riesenproblem zu“, warnt Fink und verweist ebenfalls auf die bald aus dem Berufsleben ausscheidenden Pharmazieingenieure: Viele von ihnen stünden jetzt kurz vor dem Rentenalter, so Fink. „Um sie zu ersetzen, brauchen wir mehr Apotheker.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Markt

Biotechnologie

Morphosys sucht einen neuen Chef»

LABOR-Debatte

Bewerbersuche: Wie läuft das bei euch?»

Gynäkologie

Pascofemin: Spasmo wird Complex»
Politik

Pharmastudent begeistert mit Brief an AKK

„Eier in der Hose – so ist es richtig!“»

„Der Gesundheitsminister macht, was er will“

Pharmaziestudent schreibt an Kramp-Karrenbauer»

Staatsdienst

Polizei sucht Ärzte»
Internationales

Kein mildes Urteil

Mann bricht dreimal in dieselbe Apotheke ein»

Österreich

Revolte gegen Verbandspräsident Rehak»

Digitalisierung

Österreich: eRezept bis 2022 im ganzen Land»
Pharmazie

AMK-Meldung

NMBA ist die neue Verunreinigung in Losartan»

Medizinalhanf

Tilray liefert Cannabisblüten in zwei Stärken»

Therapieresistente Depression

FDA: Zulassungsempfehlung für nasales Esketamin»
Panorama

Raubserie

Berliner Apothekenräuber: „Ich konnte Ihre Angst sehen“»

Apotheke in Barmstedt schließt

Securpharm macht Apotheke den Garaus»

Großhändler

Bombenfund: Alliance Nürnberg kann nicht mehr liefern»
Apothekenpraxis

Mucosolvam Phyto Complete

Sanofi erklärt portofreie Retoure»

Personalmangel

Schaufenster: Mitarbeitersuche mit Leuchtreklame»

LABOR-Download

Kundenflyer: Angaben zur Blutzuckermessung»
PTA Live

Aktionstage für Kinder

Apotheke wird Gummibärchen-Werkstatt»

DKMS-Projekt

PTA bietet Kosmetikkurse für Krebspatientinnen»

Rezeptur

Isotonisierung von Augentropfen: So wird gerechnet»
Erkältungs-Tipps

Was Oma schon wusste

Hausmittel gegen Ohrenschmerzen»

Aromatherapie

Ätherische Öle bei Erkältung»

Erkältung

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»