Rezeptbetrug

Das Geständnis des Rezeptfälscher-Apothekers Tobias Lau, 13.02.2018 10:29 Uhr

Ob das echte Reue ist oder Krokodilstränen, das muss das Gericht in den nächsten 22 Verhandlungstagen herausfinden. Und das könnte schwieriger werden, als es gerade scheint, denn es gibt auch eine andere Version der Geschichte. H. ist nämlich nicht über Nacht vom unbescholtenen Apotheker zum Bandenführer geworden. Laut Staatsanwaltschaft ist er ein „einschlägig vorbestrafter Apotheker“. Schon 2010 war von der Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen Abrechnungsbetrugs angeklagt und später auch vom Landgericht Berlin verurteilt worden.

2012 dann wurde er wegen Betrugs in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. 2013 stritt er mit Gehe, weil er Ansprüche aus Apotheken als Sicherheit parallel an andere Gläubiger abgetreten hatte. Und das sei noch nicht alles. Auch ansonsten habe der Apotheker oft im Graubereich agiert. Seine vier Apotheken seien „unter dubiosen Umständen“ verkauft worden, heißt es aus seinem Umfeld. Auch in der Belegschaft habe man den Braten schon länger gerochen. Aber das waren „halt so Sachen, die man besser nicht so genau wissen wollte.“ Auch sei es ein offenes Geheimnis gewesen, dass H. mit einigen zwielichtigen Gestalten verkehre.

Es bleiben also viele offene Fragen. Eine ganze Reihe von mutmaßlichen Mittätern ist nach wie vor unbekannt, vom eigentlichen Rezeptfälscher bis zu den Strohmännern, die den gutgläubigen Apothekern die gefälschten Verschreibungen angedreht haben. Und natürlich die für das Strafmaß relevante Frage muss noch geklärt werden, ob Klaus H. und Galya S. tatsächlich aus einer empfundenen Not heraus agierten und ehrlich bereuen, oder ob H. einfach nur eine kriminelle Karriere auf die Spitze getrieben hat. Am zweiten Prozesstag soll Edin S. aussagen, über den es bisher nur Belastendes zu hören gab. Es wäre wenig überraschend, wenn seine Version der Geschichte bedeutend anders klingt.

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