Rezeptbetrug

Das Geständnis des Rezeptfälscher-Apothekers Tobias Lau, 13.02.2018 10:29 Uhr

Zu dieser Zeit sei der Mitangeklagte Edin S. an ihn herangetreten. Er habe da zwei Packungen Psychopharmaka von echten Rezepten übrig und wolle fragen, ob er die nicht irgendwie unter der Hand für ihn absetzen kann. Damit sei der Stein ins Rollen gekommen.

Klaus H. – halblange, weiße Haare, sanfte Gesichtszüge und weiche Stimme – wirkt fahrig, gelegentlich verliert er den Faden, wenn er erzählt. Er zeigt sich als gebrochener Mann, der keine andere Möglichkeit mehr sah, die Existenz seiner Familie zu retten, als sich auf das gefährliche Spiel mit dem Millionenbetrug einzulassen, und der das nun zutiefst bereut. Das hätte man wenige Minuten vorher kaum erwartet, denn da saß er noch in einem vergitterten Plexiglaskäfig, der eher an die Prozesse gegen Terroristen und Massenmörder erinnert als gegen einen Apotheker, der Rezepte fälscht. Seit nunmehr sieben Monaten sitzen er und vier weitere Angeklagte in Untersuchungshaft, da Flucht- und Verdunklungsgefahr bestehe.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er den Käfig verlassen darf, um seine Version der Geschichte vorzutragen. Zuerst verzögert sich der Beginn des Prozesses, weil Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit eines Angeklagten bestehen. Sein Blutdruck ist bei 150, erst der Arzt gibt grünes Licht.

Als es losgeht, kommt zuerst das übliche Geplänkel: Einer der Anwälte will, dass sein Mandant nicht in der vergitterten Plexiglasbox sitzen muss, sondern zu ihm darf. Die Richterin lehnt ab, der Anwalt verlangt einen Gerichtsbeschluss, das Gericht muss sich zur Beratung zurückziehen. Zwangspause. Als es weitergeht, dauert es erneut eine gefühlte Ewigkeit, denn die Anklage wird verlesen: banden- und gewerbsmäßiger Betrug und Urkundenfälschung in 125 Fällen. Und jeder Fall wird einzeln vorgelesen. Hinzu kommt noch versuchter Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

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