Lieferengpässe und Rechenfehler

Cannabisrezepturen: Kassen retaxieren wild drauf los Alexandra Negt, 23.01.2020 10:50 Uhr

Er legt jetzt Widerspruch gegen die Retaxierung ein – hierfür hat er zwei Monate Zeit. Die Krankenkassen haben bis zu zwei Jahre Zeit, um eine Abrechnung zu prüfen. „Die Aufwendungen zur Bearbeitung entlohnt mir niemand“, ärgert sich Matenaer, denn der Widerspruch nimmt Zeit in Anspruch. Er ist nun in der Beweispflicht: Der Lieferengpass muss belegt werden. Doch das reicht der Krankenkasse in diesem Fall nicht aus. „Heute habe ich Post bekommen, dass ich mir doch vom verschreibenden Arzt bestätigen lassen soll, dass die Therapie die ganze Zeit über aktuell war und es auch noch ist.“ Nun fertigt der Arzt auf Anfrage des Apothekers ein formloses Schreiben darüber an, dass er die Rezepte wiederholt ausgestellt hat, da die Therapie durchgehend aktuell war.

Ein BtM-Rezept ist sieben Tage gültig – bis es eingereicht wird, darf ein Monat verstreichen. Alles, was über diesen Zeitraum hinausgeht, muss durch eine Erklärung über die Aktualität der Therapie ergänzt werden. Diese notierte Matenaer auf jeder der fünf Verordnungen. „Wer sich nun fragt, weshalb ich die Bestellungen immer wieder auslöste, sollte wissen, dass es bei dem Hersteller eine Art Ranking gibt – wer zuerst bestellt, wird bei Eintreffen einer neuen Charge auch zuerst beliefert.“

Ob dieses Vorgehen für alle Cannabis-Produzenten gilt, weiß der Apotheker nicht. Aus Sicht des Apothekers hätte auch die monatliche Verordnung ein Indiz für die Aktualiät sein müssen – das interessierte die Kasse aber nicht.

Auch seine Kollegin aus Dresden ärgert sich in letzter Zeit über die zahlreichen Einwände der Krankenkassen – auch sie bekam eine Null-Retax im Zusammenhang mit einer Cannabisrezeptur. „Die betroffene Rezeptur ist aufwendig. Die Blüten werden für den Patienten zerkleinert und bei Erreichen einer gewissen Siebgröße einzeln in Pulverkapseln zu zwei Gramm abgefüllt. Damit ist eine Kollegin den halben Vormittag beschäftigt.“ Miersch, Inhaberin der Lilien-Apotheke im Stadtteil Johannstadt, konnte ihren Augen nicht trauen, als sie sah, mit welcher Begründung sie kein Geld erhalten sollte – angeblich habe sie zu viel Substanz abgerechnet: zwei Gramm statt 0,2 Gramm. Dabei steht die Menge eineindeutig auf dem Rezept. „Das macht bei 60 Kapseln einen Unterschied von mehr als 1000 Euro.“

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