Hilfsmittelverträge

Bürokratie: 30 km für eine Windelhose Tobias Lau, 17.06.2019 07:57 Uhr

Am Telefon wurde Onitschenklo erklärt, die TK habe in der Region nur ihre speziellen Anbieter, die Versicherte müsse die Inkontinenzprodukte direkt bei denen kaufen. „Die Apotheken sind da bei der Versorgung komplett raus“, stellt Onitschenko fest. Und wo sitzt der nächste von diesen Anbietern? In Mannheim – 30 Kilometer entfernt. „Da hat die Kundin nur gesagt: ‚Was sollen wir denn jetzt machen? Wir können doch nicht nach Mannheim fahren!‘“, erinnert sich der Apotheker. Man könne ja bei den Anbietern bestellen, teilte die Kasse mit.

Das war allerdings auch einfacher gesagt als getan: „Ich habe sie dann gefragt, ob sie mit die Daten der Anbieter geben kann, damit wir uns an sie wenden.“ Antwort: „Das geht nicht.“ Stattdessen müsse eine Liste mit verfügbaren Produkten und Anwendern auf dem Postweg an die Versicherten geschickt werden. Die könnten dann Produkte aussuchen, ihre Rezepte einschicken und sich die Windelhosen dann liefern lassen. Für Onitschenko ein unhaltbarer Zustand. „Das dauert alles zusammen locker drei bis vier Wochen!“, erregt er sich. „Das habe ich bei noch keiner Krankenkasse erlebt.“

Ihm tue es besonders für die Patientin leid. „Erst war sie erstaunt, dass ich ihr nichts abgeben durfte, dann war sie nur noch entsetzt. Es ist immerhin ihre Erstversorgung.“ Für Onitschenko handelt es sich um ein Systemversagen. Von Hilfsmittelverträgen, Präqualifizierung und dergleichen halte er überhaupt nichts, sagt er. „Vor 20 Jahren konnte ich meine Patienten noch problemlos versorgen, das haben die alles kaputt gemacht!“ Wirklich weiterhelfen konnte er seinen beiden Stammkunden trotz all des Aufwands dennoch nicht. „Ich habe ihnen das erstmal die Rezepte mitgegeben und gesagt, sie sollen auf die Liste warten“, erklärt er. „Die kommen ja beide regelmäßig. Wenn sie das nächste mal da sind, muss ich eruieren, wie weit das Ganze mittlerweile ist.“

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