Versandhandel

Apotheker stemmt sich gegen Amazon Lothar Klein, 02.01.2018 07:58 Uhr

Früher kamen auch in die Nicolai-Apotheke häufiger Kunden zur Beratung, die aber später online bestellten. „Das hat abgenommen“, berichtet Springob. Der Apotheker sieht in der wachsenden Selbstmedikation zudem ein pharmazeutisches Risiko: „Viele Patienten können den Einsatz von online gekauften Arzneimittel doch ohne Beratung gar nicht richtig einschätzen.“ Jetzt können sie online bestellen und kaufen und in der Apotheke die persönliche Beratung in Anspruch nehmen. Ob das Attendorner Webkaufhaus den Einzelhandel in Attendorn retten kann, weiß Springob natürlich nicht. „Aber es ist ein zeitgemäßes Angebot, das den Bedürfnissen der Kunden Rechnung trägt.“ Und die Kooperation mit der Plattform Atalanda bringt ebenfalls Vorteile. Dadurch sind die Angebote der Attendorner Händler jetzt bundesweit bei Google gut positioniert.

Attendorn ist nicht die einzige Gemeinde, die auf lokale Online-Marktplätze setzt. Vorreiter beim Kampf David gegen Goliath war Wuppertal. Die Stadt hat zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda bereits Ende 2014 den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal (OCW) ins Leben gerufen. Rund 70 Händler aus der bergischen Stadt präsentierten dort gemeinsam ihre Produkte. Auch hier wird die bestellte Ware noch am selben Tag geliefert. Atalanta ist mit weiteren Städten und Gemeinden im Gespräch.

Wie wichtig der Internethandel inzwischen geworden ist, zeigte das Statistischen Bundesamts (Destatis) kürzlich auf: Fast jedes vierte Unternehmen in Deutschland, 23 Prozent, verkaufte im Jahr 2016 seine Waren oder Dienstleistungen über eine Website, App oder elektronischen Datenaustausch über Standleitungen (EDI). Unternehmen, die im Online-Handel über eine Website oder App aktiv waren, erzielten 19 Prozent ihres gesamten Umsatzes aus Verkäufen über diese Vertriebskanäle.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte