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Müllsteuer für Apotheken droht Alexander Müller, 12.08.2017 07:40 Uhr

Berlin - Die Apothekerin und ihre sportlichste PTA stehen zusammen in der Altpapiertonne und treten den mannshohen Pappaufsteller klein. Schon wieder ist die Tonne voll, dabei gäbe es noch drei Kisten mit gesammelten Flyern und Postern zu entsorgen, die sich binnen Wochenfrist angesammelt haben. Weil die Apotheken immer mehr Werbematerialien wegschmeißen, droht ihnen jetzt sogar eine Müllsteuer.

Natürlich trauen die Patienten dem Rat ihres Apothekers mehr als den Werbebotschaften in den Fernsehspots. Kompetent und glaubwürdig. Eine Produktempfehlung in der Offizin ist für jeden Hersteller Gold wert. Also müssen die Teams in der Apotheke und ihre Kunden möglichst effektiv auf eigene Produkte aufmerksam gemacht werden. Also schickt jeder sein Material, seine HV-Aufsteller, Störer für die Sichtwahl, Plakate fürs Fenster oder Bodenaufsteller für irgendwo mitten in den Verkaufsraum.

Nett gemeint, aber viel zu viel. Würden die Inhaber oder eine dafür eigens abgestellte Fachkraft sich tatsächlich alles vorher genau ansehen, sie kämen zu nichts anderem mehr. Also landet ein Gutteil ungesehen im Müll. Das wissen auch die Hersteller – und reagieren darauf: Wenn die Hälfte weggeschmissen wird, muss man eben doppelt so viel schicken. Ein Teufelskreis.

Und eine einzige Umweltsünde. Hochwertig bedrucktes Papier, Pappfiguren aus glücklichen Bäumen, Aufkleber, Plastik, Dekorations-Tinnef – alles muss vernichtet werden. Eine grüne Gemeinde in Baden-Württemberg testet daher jetzt die „Apothekentonnen“. Wenn schon Abfall, dann wenigstens sortiert. Für jedes Werbemittel soll es eine eigene Tonne geben, um sie in den Werbekreislauf zurückzuführen.

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