Junger Apotheker berichtet

Abrechnungsbetrug: „Ihr Vorgänger hat das auch so gemacht”

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Solches Fehlverhalten ist im Gesundheitswesen bekannt: „Schätzungen variieren hinsichtlich der durch Betrug erzielten Bereicherungen von 1 bis 10 Prozent aller Leistungsausgaben – GKV wie PKV. Schaut man sich allerdings das Hellfeld an, das heißt die amtliche Kriminalstatistik, sind die zur Anzeige gebrachten Fälle sowohl im Bereich der Sozialversicherungen als auch der Privatassekuranz insgesamt seit jeher sehr niedrig”, erklärt eine Sprecherin des Verbands der Privaten Krankenversicherung.

Aus seinem Apothekenalltag berichtet Hartmann weiterhin, dass die Pflegehilfsmittel vom Betrug nicht verschont blieben. „Ich bekomme relativ häufig Anfragen von Kunden, die Waschlotionen oder Handcremes möchten statt der Handschuhe, die auf dieser Liste der Hilfsmittel stehen, die die Kasse in Höhe von 40 Euro monatlich übernimmt”. „Was soll ich denn mit einer weiteren Packung Handschuhen?”, zitiert er eine Kundin.

Auch diesen Betrug, wenn auch in kleinem Rahmen, könne er nicht nachvollziehen: „Es ist vorgeschrieben, was man abgeben darf und was nicht. Aber viele Kollegen richten sich auch hier wieder nach den Kunden.“ Seiner Meinung nach sollten bei diesen Arten von Betrug bessere Kontrollmechanismen seitens den Kassen etabliert werden. „Aber dann nimmt wieder die Bürokratie im Alltag zu”, so Hartmann.

„Ich erkläre meinen Kunden, warum ich das nicht mache und dass das gesetzeswidrig ist. Viele verstehen mich. Die Sache mit den Pflegehilfsmitteln ist auch blöd gemacht vom Gesetzgeber. Keiner kann richtig nachvollziehen, was wirklich abgegeben wurde”, ergänzt er. Insbesondere findet er auch: „Die Patienten brauchen viel mehr, als die Dinge, die auf der Liste stehen.” Warum letztendlich die geschilderten Betrügereien nicht ans Tageslicht kämen, erklärt er wie folgt: „Meiner Meinung nach sitzen viele im selben Boot und jeder hat was davon. Deshalb schwärzt auch kein Apotheker den anderen an.”

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