Sachkunde verfällt nicht – muss aber aufgefrischt werden

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Berlin -

Eine Erlaubnis zur Chemikalienabgabe erhält, wer die Sachkunde nach § 11 ChemVerbotsV besitzt. Apotheker, Apothekerassistenten, Pharmazieingenieure, PTA und Apothekenassistenten gelten mit Abschluss der Berufsausbildung grundsätzlich als sachkundig – vorausgesetzt sie sind mindestens 18 Jahre alt. Wer Chemikalien nach Anlage 2 in der Apotheke abgeben möchte, der muss seine Sachkunde auffrischen – so sieht es die Chemikalienverbotsverordnung seit Ende Januar 2017 vor. Bei Alkohol gelten Ausnahmen – momentan von der Apotheke selbst hergestelltes Desinfektionsmittel darf generell von pharmazeutischem Personal abgegeben werden.

Die Übergangsregelungen der Verordnung galten bis zum letzten Jahr. In diesem Jahr müssen Apotheker und PTA die Chemikalien nach Anlage 2 ChemVerbotsV abgeben wollen eine aktuell gültige Sachkunde nachweisen. Der alleinige Abschluss reicht hierfür nach sechs Jahren nicht mehr aus. Liegt die Gefahrstoffprüfung bei PTA und das dritte Staatsexamen bei Apothekern länger als sechs Jahre zurück, so heißt es: auffrischen. Dazu muss eine eintägige Fortbildung besucht werden. Eine erneute Prüfung muss nicht abgelegt, sondern lediglich an der Fortbildungsveranstaltung teilgenommen werden. Denn Sachkunde „verfällt“ nicht. Wer allerdings die Sachkunde nicht rechtzeitig auffrischt, darf keine Chemikalien der Anlage 2 mehr abgeben. Alternativ kann nach drei Jahren eine halbtägige Fortbildung von vier Stunden besucht werden, um den Nachweis der Sachkunde zu erlangen und regelmäßig zu erneuern.

Ausnahmen

Gefahrstoffe sind generell Stoffe, die für den Menschen akut oder chronisch gefährlich werden können. Einige Substanzen, die als Gefahrstoff eingestuft sind, dürfen dennoch weiterhin von Apothekern und PTA – unabhängig vom Sachkundenachweis – abgegeben werden. Hierzu zählen beispielsweise Ethanol, Ammoniak oder verschiedene Säuren. Bei Substanzen wie Ammoniak gelten Höchstkonzentrationen. Der amphotere Stoff darf bis zu einer Konzentration von 35 Prozent für gewisse Verwendungszwecke verkauft werden. Ein möglicher Einsatz ist die Waffenreinigung.

Wasserstoffperoxid darf für die Abgabe an Endkunden durch eine nicht sachkundige Person eine maximale Konzentration von 12 Prozent haben. In dieser Konzentration wird es beispielsweise für die Poolreinigung eingesetzt. Weiter verdünnt findet es Anwendung als Wunddesinfektionsmittel. In 3-prozentiger Konzentration kann es zur Mundschleimhautdesinfektion genutzt werden. So niedrig konzentriert handelt es sich nicht mehr um einen Gefahrstoff.

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