Retax-Falle

Import: Aut-idem außer Kraft APOTHEKE ADHOC, 14.07.2017 09:15 Uhr



Eine Ausnahme liegt vor, wenn der Arzt eine ausdrückliche Arzneimittelverordnung vornimmt und den genauen Produktnamen und/oder die Pharmazentralnummer angibt und zusätzlich vermerkt, dass „aus medizinisch-therapeutischen Gründen“ kein Austausch erfolgen darf.

Liegt eine ausdrückliche Reimportverordung vor und dieser ist nicht lieferbar, regelt der Arzneiversorgungsvertrag der Ersatzkassen (VDEK) den Vorgang, wenn kein Rabattvertrag vorliegt, wie folgt: Sind weder der verordnete, noch preisgünstigere Importe lieferbar, ist die Apotheke dazu berechtigt, ein teureres Importarzneimittel oder das Original abzugeben. Allerdings muss die Apotheke vor der Abgabe mit dem Arzt Rücksprache halten und diese auf der Verordnung dokumentieren. Zudem sind die Sonder-PZN 02567024 und der Faktor 3 „Nichtverfügbarkeit“ aufzudrucken. Für die Primärkassen sind die entsprechenden Regionalverträge bindend.

Reimporte verfügen zwar über eine eigene Zulassung, beziehen sich dabei aber auf das Original. Sozialrechtlich werden die Präparate daher als dasselbe Arzneimittel betrachtet. Verwirrung hatte es nach einem Urteil des Sozialgerichts Koblenz 2014 gegeben. Hier verlor die Krankenkasse den Prozess gegen eine retaxierte Apotheke. Demnach musste die Apotheke den Rabattvertrag nicht bedienen, das Aut-idem-Kreuz hatte aus Sicht der Richter Vorrang. Um gleichartigen Fällen vorzubeugen, hat der VDEK seinen Liefervertrag mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) angepasst: Wird ein namentlich genannter Import mit Aut-idem-Kreuz verordnet, so bezieht sich das Kreuz nur auf den Namen des Arzneimittels, nicht aber auf den Hersteller. Das Koblenzer Urteil gilt als Einzelfallentscheidung und kann nicht auf alle Kostenträger übertragen werden.
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