Pharmazeutische Bedenken

Faktor 6: Sicher anwenden und abrechnen

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Bei transdermalen therapeutischen Systemen (TTS) gibt es je nach Pflasterart unterschiedliche Wirkstofffreisetzungen, die der Patient durchaus wahrnimmt. Hier kämen bei einem Wechsel zu einem anderen System ebenfalls pharmazeutische Bedenken zum Tragen. Hormone, Schmerzmittel, Nikotinpflaster und Dopaminantagonisten werden als Membran- und Matrixpflaster produziert. Unterschiede bestehen hier im Aufbau der Pflaster und damit auch in der Wirkstoffbeladung und den Freisetzungsraten. Ein Wechsel nur aufgrund eines Rabattvertrages kann aus pharmazeutischer Sicht durchaus bedenklich sein. Auch topische Arzneimittel sind dazu zu zählen: Je nachdem, ob es sich bei der Grundlage um eine Creme, eine Salbe oder ein Gel handelt, kann die Wirkung früher oder später einsetzen. Wenn der Patient bereits auf eine Grundlage festgelegt ist, weil er sie kennt und damit zufrieden ist, wäre ein Wechsel ungünstig. Selbst bei Cremes wird nach O/W und W/O unterschieden. Da bei O/W-Cremes der ölige Anteil in eine Wasserhülle eingebettet ist, hat sie eine kühlende Wirkung, wenn das Wasser auf der Haut verdunstet. Daher wird sie bei entzündlichen oder juckenden Hauterkrankungen als Grundlage gewählt und sollte nicht ausgetauscht werden.

Fall 4: Kritische Patientengruppen
Hier gibt es verschiedene Gründe, warum ein Wechsel der Präparate die Therapietreue beeinträchtigen kann. Ein multimorbider Patient, der viele verschiedene Medikamente am Tag einnehmen muss, ist ein typischer Fall. Die Verwechslungsgefahr steigt umso mehr an, je mehr Arzneimittel er benötigt. Viele Menschen merken sich die Einnahmereihenfolge anhand des Aussehens der Tablette oder deren Verpackung. Werden diese nun aufgrund eines Rabattvertrages ausgetauscht, so ist die Compliance nicht mehr in jedem Fall gewährleistet. Ältere Patienten kommen ebenfalls schnell durcheinander, wenn die gewohnte Verpackung plötzlich anders aussieht. Besonders wenn es sich um demenzkranke Menschen handelt, ist ein Präparatewechsel im Sinne der Therapietreue kritisch einzuschätzen. Psychisch beeinträchtigte Personen sind ebenso gefährdet, die Einnahme von Medikamenten mit unbekanntem Äußeren komplett zu verweigern. Selbst wenn es sich nur um einen Reimport handelt, der Hersteller also derselbe ist, flößt das andere Aussehen der Umverpackung diesen Patientengruppen kein Vertrauen ein.

Wenn trotz Beratung durch das pharmazeutische Personal beim Patienten weiterhin Bedenken gegen einen Austausch bestehen, sollte immer eine Bedruckung der Verordnung mit pharmazeutischen Bedenken erfolgen. Therapietreue und Compliance sind die Voraussetzungen dafür, dass der Kunde das Medikament verträgt. Daher ist der Apotheke dieses Instrument in die Hand gelegt worden, um die optimale Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Wird die handschriftliche Begründung einmal vergessen, ist dies glücklicherweise kein Retax-Grund mehr, da es sich mittlerweile nur noch um einen Formfehler handelt.

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