Aktivkohle: Trend mit Wechselwirkungen

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Berlin - Aktivkohle – medizinisch auch Carbo medicinalis genannt – ist in. Überall ist der schwarze Trendsetter zu finden: ob in Hygieneartikeln wie Zahncreme und Shampoo, als Medikament oder im Smoothie. Bei der Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt ist jedoch Vorsicht geboten, wenn gleichzeitig Arzneimittel eingenommen werden.

Eigentlich findet die Aktivkohle bereits seit Jahrhunderten medizinische Verwendung: Sie ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Adsorbenzien, der medizinisch hauptsächlich zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, Blähungen und Vergiftungen eingesetzt wird. Die Substanz bindet Toxine an sich, damit sie über den Stuhl aus dem Körper geschleust und ausgeschieden werden können. Die Aktivkohle selbst wird nämlich im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert. Die Ausscheidung der gebundenen Giftstoffe über den Stuhl wird dadurch beschleunigt. Der Nachteil: Die Wirkung ist nicht kontrollierbar – gebunden wird alles. Auch Medikamente, Vitamine und Mineralstoffe.

Durch eine zeitgleiche Einnahme von Medikamenten und Aktivkohle kann es zur Bindung der therapeutisch notwendigen Substanzen kommen: Folglich kann die Therapie gefährdet werden, da verminderte Wirkstoffspiegel möglich sind. Dies gilt sowohl für Akut- und Dauermedikationen sowie für die Empfängnisverhütung – im „Worst Case“ könnte so eine ungewollte Schwangerschaft entstehen.

Wichtig ist daher ein Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden. Nur so kann die bindende Wirkung umgangen und Arzneistoffe sicher und zuverlässig vom Körper aufgenommen werden. Aktivkohle kann zudem – unabhängig vom Zeitpunkt der Einnahme – die Elimination von Wirkstoffen, die einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen, beschleunigen. Daher gilt es Carbo medicinalis mit Vorsicht zu verwenden.

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