Lieferengpässe

Spironolacton: Patienten müssen teilen Nadine Tröbitscher, 23.12.2016 14:16 Uhr

Berlin - Lieferengpässe gehören zum Alltag in Apotheken. Besonders dramatisch wird es, wenn Antibiotika, Krebsmedikamente oder Notfallarzneistoffe betroffen sind. Zu den üblichen Verdächtigen gehören jedoch auch Schmerzmittel und Impfstoffe. Die aktuelle Liste vom 21. Dezember enthält nun auch Aldactone (Spironolacton) in der Stärke 25 mg.

Seit dieser Woche ist das kaliumsparende Diuretikum gegen Wasseransammlungen und Überfunktion der Niere in der Stärke zu 25 mg nicht mehr verfügbar. Die höhere Dosierung à 50 mg ist laut Hersteller Riemser nicht teilbar: Halbieren Patienten die überzogenen Tabletten trotzdem, können ungenaue Dosierungen auftreten.

Verfügbar sind jedoch Generika mit dem Wirkstoff Spironolacton in höheren Dosierungen, die teilbar sind, beispielsweise von Aliud und Mylan. Patienten benötigen im Falle eines Austauschs jedoch ein neues Rezept. Der Engpass wird zum Problem, da Aldactone das einzige Präparat in der Stärke 25 mg ist.

Riemser liefert zwar aktuell die Packung zu 100 Stück an die Großhändler aus, diese ist jedoch kontingentiert. Wer nicht disponiert hat, geht eventuell leer aus. Die 50-er Packung wird voraussichtlich erst Mitte Januar wieder lieferbar sein.



Die Apothekerkammer Hamburg hat auf den Engpass aufmerksam gemacht und rät dazu Folgerezepte rechtzeitig ausstellen zu lassen. Apotheker sollen Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen dazu anhalten. „So bleibt Zeit, sich eine alternative Arzneimitteltherapie zu überlegen und mit dem Arzt Rücksprache zu halten.“ so ein Kammer-Sprecher.

Die Apothekerkammer Hamburg fordert eine stabile Versorgung der Patienten. „Beim Verhandeln der Rabattverträge muss auch das Risiko eines Lieferengpasses berücksichtigt werden. Hersteller und Zulieferer sollten Konzepte vorlegen, wie sie Engpässe vermeiden beim Ausfall einzelner Produktionsbetriebe in der Herstellungskette. Der aktuelle Preisdruck führt zu einer gefährlichen Konzentration auf wenige große Anbieter. Hier ist die Politik gefordert.“ schreibt die Kammer.

Auch die Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung mit dem Wirkstoff Rifampicin in den Stärken 300 mg und 600 mg kann Riemser derzeit nicht liefern. Grund sei die steigende Nachfrage nach dem Antituberkulosemedikament Eremfat i.v. in den Einzeldosen. Der Hersteller verweist als Alternative auf die Packung mit entsprechend zehn Ampullen. Der Lieferengpass wird noch für den Rest des laufendes Jahres anhalten.



Krankenhausapotheken müssen derzeit auf das Antibiotikum Ampicillin/Sulbactam verzichten. Die Kombination wird gegen Klinikkeime eingesetzt. Die Pulver zur Herstellung einer Suspension fehlen in den Stärken 2000/1000 mg und 1000/500 mg von allen Herstellern. Ratiopharm wird seine Präparate auf Grund von Problemen in der Herstellung ab 2017 außer Handel nehmen.

Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Metamizol sind schon seit mehreren Monaten eingeschränkt lieferbar - ein Ende ist nicht in Sicht. Die Ursache sei eine verzögerte Wirkstofflieferung.

Cubicin (Daptomycin; MSD) zur Injektion und Infusion wird in den nächsten sechs Monaten nur eingeschränkt lieferbar sein. Das zur Inhalation verwendete Relenza (Zanamivir; GSK) wird voraussichtlich ab Februar 2017 wieder verfügbar sein, Ursache sei eine Verzögerung in der Herstellung.

Für Cortrel Corticorelin vom Menschen; Proreo) wird der Lieferengpass auf etwa elf Monate geschätzt, als Grund wird die momentan fehlende Wirtschaftlichkeit angegeben.



Bereits für Schlagzeilen gesorgt hat der Lieferengpass von Melphalan. Derzeit ist noch kein Datum für die uneingeschränkte Lieferung bekannt. Ursache sei ein Ereignis innerhalb des Qualitätsmonitorings in der Produktionsstätte.

Die Liste veröffentlicht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach Angaben der Hersteller. Diese werden gebeten, einen vorhersehbaren Lieferengpass etwa sechs Monate im Voraus zu melden.

Die fehlenden Impfstoffe Pentavac, IPV Metrieux, Pneumovax 23 vom ehemaligen Joint Venture Sanofi Pasteur MSD (SPMSD) werden voraussichtlich zum Jahresbeginn wieder erhältlich sein. Pneumovax 23 wird dann von MSD geliefert, die anderen beiden Impfstoffe von Sanofi. Vaqta in der Packung zu zehn Stück wird MSD voraussichtlich im März wieder ausliefern. GSK kommt mit Boostrix Polio der Versorgung voraussichtlich im Februar wieder nach, Infanrix Hexa kommt eventuell schon Anfang 2017 wieder. Pfizer rechnet voraussichtlich zum Ende des zweiten Quartals wieder mit der Belieferung von TD-Immun und Tdap-Immun.