Beratung

„Winterallergie“: Wenn die Kälte juckt Deniz Cicek-Görkem, 07.12.2018 14:34 Uhr

Berlin - 

Jacke, Schal, Handschuhe: Die kalten Jahreszeit bedeutet auch immer gewappnet gegen die Kälte zu sein. Warm eingepackt dürfte das Problem gelöst sein, könnte man meinen. Doch Menschen mit einer sogenannten Kälteurtikaria brauchen mehr, unter anderem Antihistaminika und Cortisontabletten. Hintergrund zur Krankheit und Tipps für die Beratung in der Apotheke.

Die Urtikaria, auch Nesselsucht genannt, ist die häufigste Hauterkrankung. Sie macht sich durch Quaddeln und oberflächliche Schwellungen bemerkbar, die zudem in Begleitung mit einem starken Juckreiz auftreten. Zu den Ursachen gehören unter anderem Allergene, akute und wiederkehrende bakterielle Infektionen sowie Intoleranzen auf bestimmte Arzneimittel. Aber auch Kälte kann ein Auslöser für juckende, geschwollene und rote Haut sein.

Umgangssprachlich ist hier die Rede von einer Winter- oder Kälteallergie. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das nicht korrekt, da es sich bei der Kälteurtikaria nicht um eine Allergie im klassischen Sinne handelt, auch wenn sie die gleichen Beschwerden hervorruft. Hintergrund ist, dass Menschen gegen Kälte als physikalischen Reiz keine Antikörper bilden und somit auch keine Allergie entwickeln kann. Vollständig geklärt ist der dahinter steckende Mechanismus nicht. Bekannt ist, dass Mediatoren wie Histamin durch die Degranulation von Mastzellen freigesetzt werden.

Nach Angaben der europäischen Stiftung für Allergieforschung (European Centre for Allergy Research Foundation, ECARF) kommt es dabei nicht darauf an wie kalt die Umgebung ist, sondern welche Temperatur die Haut hat. Um Symptome zu entwickeln, müsse sie nicht extrem kalt werden. Deshalb kann die Kälteurtikaria nicht nur im Winter auftreten, sondern kann auch im Sommer für Unmut sorgen. Beispielsweise kann der Konsum von kalten Getränken oder der Sprung ins kalte Wasser zu Schwellungen führen.

In sehr seltenen Fällen können die Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich mit anschwellen und zu erstickungsartiger Atemnot führen. Das kann für die Betroffenen lebensbedrohlich werden. Auch kann in Extremfällen ein anaphylaktischer Schock oder ein Kehlkopfödem auftreten. Bei Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis oder aber einem überempfindlichen Atemwegssystem kann Kälte durch Reizung der Bronchien zu einer Verengung der Atemwege führen. Atemprobleme, akute Atemnot und sogar ein Asthmaanfall können die Folge sein. Patienten, die eine schwere Reaktion aufgrund der Kälte befürchtet müssen, sollten einen Adrenalin-Pen und ein Allergie-Notfallset bei sich tragen.

Im Beratungsgespräch können neben warmer Kleidung auch eine Hautpflege für den Winter empfohlen werden. In erster Linie sollten Betroffene Kältereize vermeiden, doch in der kalten Jahreszeit ist das nicht immer umsetzbar. Bei leichten Beschwerden können Antihistaminika wie Cetirizin, Loratadin und Dimetinden zum Einsatz kommen. In der Selbstmedikation stehen Tabletten, Tropfen und Cremes beziehungsweise Gels zur Verfügung.

Falls die Wirkung unzureichend ist, sollte zu einem Arztbesuch angeraten werden. Dieser kann beispielsweise eine höhere Dosis empfehlen, aber auch rezeptpflichtige Antihistaminika, Cortisontabletten, Leukotrienantagonisten oder den monoklonalen Antikörper gegen Immunglobulin E (Anti-IgE) Omalizumab (Xolair, Novartis) im off-label-use verordnen.