Allergie

Heuschnupfenmittel in der Schwangerschaft APOTHEKE ADHOC, 16.05.2019 13:33 Uhr

  • Rote Augen, laufende Nasen: Auch Schwangere leiden häufig unter Heuschnupfen. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Die Sonne scheint und die Pollen fliegen. Juckende Augen und laufende Nasen sind die typischen Heuschnupfensymptome, die auch Schwangere plagen. Aber welche Präparate dürfen in der Schwangerschaft angewendet werden?

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf präventiven Maßnahmen. Vor allem bei leichten Beschwerden kann eine Reduktion der Pollenbelastung ausreichend sein. Mögliche Maßnahmen sind Duschen und Haare waschen vor dem Schlafengehen, Stoßlüften in den Morgenstunden (Stadt) oder am Abend (Land), bei geschlossenem Fenster Schlafen und Autofahren sowie ein regelmäßiges Spülen und Befeuchten der Nase. Aber auch Akupunktur oder Akupressur können helfen.

Schwangere können aber auch auf verschiedene Arzneimittel zurückgreifen. Möglich ist der Einsatz von lokal und systemisch anzuwendenden Präparaten.

Lokale Behandlung:

Mittel der Wahl ist Cromoglicinsäure. Der Mastzellstabilisator verhindert die Freisetzung von Histamin. Betroffene sollten zweimal täglich einen Tropfen ins Auge geben. Die Dosis kann auf viermal täglich erhöht werden. Wichtig ist eine regelmäßige Anwendung. Nasensprays sollten bis zu viermal täglich Anwendung finden, dabei ist je ein Sprühstoß pro Nasenloch zu applizieren. Bei Bedarf kann auf sechsmal täglich erhöht werden. Als Notfallmittel im Akutfall sind Cromoglicinsäure-haltige Produkte nicht geeignet. Im Idealfall beginnt der Einsatz prophylaktisch etwa ein bis zwei Wochen, bevor die Allergiesaison für den Patienten beginnt. Zugelassen sind die Augentropfen zur Behandlung von allergisch bedingter, akuter und chronischer Konjunktivitis. Der Wirkstoff ist außerdem für eine Dauertherapie geeignet.

H1-Antihistiminika wie Azelastin und Levocabastin sind nicht explizit kontraindiziert. Zwar ist die Anwendung möglich, allerdings liegen keine ausreichenden Daten vor. Laut Embryotox liegen keine Hinweise auf eine teratogene Wirkung während des ersten Trimenon vor. Auch fetotoxische Effekte seien im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel unwahrscheinlich. Für Fluticason und Mometason zur nasalen Anwendung liegen ebenfalls keine ausreichenden Daten vor. Betroffene sollten vor der Anwendung mit einem Arzt Rücksprache halten. Soll ein Cortison-haltiges Nasenspray angewendet werden, ist das verschreibungspflichtige Budesonid vorzuziehen. Für den Arzneistoff liegen mehr als 6000 dokumentierte Schwangerschaftsverläufe vor. Alle liefern keinen Hinweis auf Teratogenität.

Systemische Behandlung:

Die Substitution von Folsäure hat auch hier ihre Vorteile: Patienten und Patientinnen mit einem hohen Folatspiegel im Blut hatten ein geringeres Immunglobulin E (IgE)-Antikörper-Level und damit seltener an Allergien oder Atemproblemen gelitten. Das zeigte eine Studie der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Immunglobulin E spielt auch bei Heuschnupfen eine Rolle: Es veranlasst den Körper, Histamin auszuschütten und führt so zu den bekannten allergischen Beschwerden. Natürlich spricht auch nichts gegen eine Kombination der Folsäure-Substitution und der Einnahme eines Antihistaminikums, solange dies mit dem behandelnden Arzt abgeklärt ist.

Loratadin ist Mittel der Wahl im Rahmen der Selbstmedikation und Cetirizin und Dimetinden vorzuziehen. Loratadin kann in allen Phasen der Schwangerschaft eingenommen werden. Für den Arzneistoff liegen Untersuchungen zu mehr als 5000 Schwangerschaften vor, für Cetirizin sind es mehr als 1300. Außerdem können das gerade aus der Verschreibungspflicht entlassene Levocetirizin und das rezeptpflichtige Desloratadin angewendet werden. Weil der Erfahrungsumfang jedoch gern ist, ist Loratadin bevorzugt anzuwenden.

Kombinationen aus Cetirizin beziehungsweise Triprolidin mit Pseudoephedrin sind in der Schwangerschaft kontraindiziert und sollten auch in der Stillzeit möglichst nicht angewendet werden.