Apotheke in Aktion

Apotheke spendet Schals Torsten Bless, 24.02.2018 14:02 Uhr

Berlin - Gerade in der Winterzeit haben Menschen vom Rand der Gesellschaft ganz besonders zu kämpfen. Eine Apotheke in Mainz stiftet Schals für Obdachlose, eine andere spendet für die Versorgung mit frischen und günstigen Lebensmitteln. Wir haben uns umgeschaut.

Eingemummelt durch die kalte Jahreszeit: Glaubt man den Wettervorhersagen, stehen in den kommenden Tagen arktische Temperaturen bevor. Für Menschen, die auf der Straße leben, brechen ganz besonders ungemütliche Tage an. Rechtzeitig vor dem Kälteeinbruch stellt die Mainzer Apotheke in der MED in Kooperation mit dem Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ 100 Schals zur Weiterverteilung bereit.

Stammkundin Ingrid Eckert hat ein Jahr an den Wollwärmern gearbeitet und dabei nach eigener Schätzung etwa 30 Kilo Material verbraucht. Ihr handwerkliches Talent kam zunächst vor allem den Kindern und Enkeln zugute. Doch nach einer Netzhautablösung vor 25 Jahren erblindete Eckert fast vollständig. Strümpfestricken war nicht mehr drin. „Schals sind einfacher, dafür brauche ich mein Augenlicht nicht“, so die heute 64-Jährige.

Der Verein kümmert sich um die medizinische Versorgung von Obdach- und Wohnungslosen. Die Apotheke im MED unterstütze die Arbeit seit Jahren ganz konkret, sagt Filialleiterin Claudia Früh. „Wir sind eine Anlaufstelle für die Hilfsbedürftigen. Bei Einreichung von Rezepten verzichten wir auf die Zuzahlung. Das läuft kontinuierlich und gut. Einmal im Jahr zum Winter hin spenden wir Medikamente wie Erkältungsmittel.“

Regnitztaler für Tafel: Für Menschen in Not engagieren sich auch die Heldschen Apotheken in Bamberg und Hirschaid mitsamt ihren Kunden. Wer nicht rezeptpflichtige Produkte im Wert von mindestens 10 Euro kauft, erhält einen Regnitztaler im Wert von 50 Cent. Statt sie daheim zu horten, spendeten viele Kunden lieber ihren Taler für den guten Zweck. 2500 Euro konnte Apotheker Hartmut Held an die Bamberger Tafel und weitere 850 Euro an den Verein „Hirschaider Körbla – Lebensmittel für Menschen in Not“ übergeben.

Den warmen Geldregen in kalten Wintertagen können beide Institutionen gut gebrauchen: Die Bamberger Tafel werde in ein schon lange fälliges neues Kühlhaus investieren, sagt Schatzmeisterin Michaela Revelant. „Außerdem werden wir stromsparende LED-Leuchten und geschlossene Kisten für Lebensmittel anschaffen.“ Die Aktiven in Hirschaid werden sich von ihrem Anteil und weiteren Spenden ein Fahrzeug mit Kühlmöglichkeit anschaffen.

„Schon seit Jahren spenden viele unserer Kunde gerne ihre Taler, weil sie wissen, dass das Geld in der Region bleibt und sinnvoll genutzt wird“, erzählt PTA Sandra Gröger. „Meist am Jahresende suchen wir aus, wem das Geld zugute kommt. In den vergangenen Jahren waren das oft auch mal Kinderpflegestationen in der Umgebung.“ Zum Verbund der Heldschen Apotheken zählen die Brücken-Apotheke und die Apotheke am Kranen in Bamberg, die Franken-Apotheke in Hirschaid und die Glocken-Apotheke in Strullendorf.

Die Bären sind los! Lauter „Bären“ fielen jüngst in der Egelsbach-Apotheke in der gleichnamigen hessischen Gemeinde im Landkreis Offenbach ein. Keine Bange, es handelte sich hier nicht um wilde Waldbewohner, sondern die lebhaften Kleinen der KiTa Forsthaus. An einem Vormittag durften sie hinter die Kulissen einer Apotheke blicken, dem Kommissionierautomaten bei seiner Arbeit zuschauen und Blüten durch das Mikroskop inspizieren. Auch in die Rezeptur drangen sie vor. Unter fachkundiger Anleitung des Teams stellten sie eine Orangen-Handcreme. Die durften sie ebenso nach Hause nehmen wie einen Turnbeutel mit Apothekenlogo.

„Schon seit etwa zehn Jahren besuchen uns regelmäßig Kindergartengruppen“, erzählt Inhaber Pierre Theuerkauf. „Die Kinder sollen dabei unsere Apotheke kennenlernen. Und zwar nicht nur als einen Ort, an den man geht, wenn man krank ist.“ Durch Berührung mit Pflanzenteilen bekämen die Kleinen einen Bezug zur Natur. „Baldrianwurzel, Weidenrinde, Pfefferminzblätter, Kamillenblüten und noch einiges mehr werden befühlt, beschnuppert und zum Teil unter der Stereolupe betrachtet.“ Unbestrittenes Highlight sei aber der Kontakt mit dem Kommissionierer, hat Theuerkauf erfahren. „Hier helfen die Kinder beim Befüllen, schauen, wie der Automat die Packungen wegräumt, und sehen, wie die Arzneimittel über die digitale Sichtwahl wieder angefordert werden.“

So ein Apothekenbesuch mache schweren Eindruck: „Für die Kinder ist das immer wieder ein tolles Erlebnis, von dem sie uns auch nach Jahren noch berichten. Und auch unseren Mitarbeitern bringt es Freude, ihnen einen Einblick in unseren spannenden Beruf zu geben.“